
Vögel im Winter
Vögel im Winter
Eine Schwalbe
macht noch keinen Sommer;
im Winter aber den Abflug.
macht noch keinen Sommer;
im Winter aber den Abflug.
Anfangs war also das Leben in dieses leer stehende Zollhaus und seine einsame Umgebung nur ganz langsam hereingekommen. Die erste Zeit hatte ich mich damit zufrieden geben müssen, lediglich aus der Ferne den Stimmen der Waldvögel von Hoaschd herab zu lauschen. So auch im Frühjahr 36:
Zuvor hatten wir schon bei Schwester Emelda das wunderschöne Kinderlied gelernt: „Kuckuck, kuck, kuck, ruft aus dem Wald!“
Jeder kann sich mein Erstaunen vorstellen, als just am selben Tag, als ich mittags vom Kindergarten heim kam und von der Straße in den Garten einbog, auf einmal ein markantes „Kuckuck…Kuckuck“ vernahm. Es schien wie eine Fügung, gerade erst seinen Namen erfahren und gleich danach auch seinen Ruf, zum ersten Mal, wie ein geheim verstohlener Ruf von Hoaschd herab ganz deutlich!
Später bin ich ja dann öfter um diese Jahreszeit oben im Hoaschdwald gewesen, hatte mehrmals vergeblich versucht, sein Gefieder in den Bäumen auszumachen. Mir ist´s dabei ähnlich ergangen wie dem Verfasser eines weiteren Kinderliedes:
Zuvor hatten wir schon bei Schwester Emelda das wunderschöne Kinderlied gelernt: „Kuckuck, kuck, kuck, ruft aus dem Wald!“
Jeder kann sich mein Erstaunen vorstellen, als just am selben Tag, als ich mittags vom Kindergarten heim kam und von der Straße in den Garten einbog, auf einmal ein markantes „Kuckuck…Kuckuck“ vernahm. Es schien wie eine Fügung, gerade erst seinen Namen erfahren und gleich danach auch seinen Ruf, zum ersten Mal, wie ein geheim verstohlener Ruf von Hoaschd herab ganz deutlich!
Später bin ich ja dann öfter um diese Jahreszeit oben im Hoaschdwald gewesen, hatte mehrmals vergeblich versucht, sein Gefieder in den Bäumen auszumachen. Mir ist´s dabei ähnlich ergangen wie dem Verfasser eines weiteren Kinderliedes:
Dieser Kuckuck, der mich neckt,
tief im Waldgesträuch versteckt,
rechts und links und überall
hör ich seinen fernen Schall;
rechts und links und überall
hör ich seinen fernen Schall.
Kuckuck!
tief im Waldgesträuch versteckt,
rechts und links und überall
hör ich seinen fernen Schall;
rechts und links und überall
hör ich seinen fernen Schall.
Kuckuck!
Wo ich komme, geht er fort;
bin ich hier, so ist er dort.
Ei, so sei er, wo er sei,
lieblich ist von fern sein Schrei;
ei, so sei er, wo er sei,
lieblich ist von fern sein Schrei:
Kuckuck!
bin ich hier, so ist er dort.
Ei, so sei er, wo er sei,
lieblich ist von fern sein Schrei;
ei, so sei er, wo er sei,
lieblich ist von fern sein Schrei:
Kuckuck!
Und als ich damals am nächsten Morgen im Kindergarten mit großer Freude von meinem Kuckuckserlebnis erzählte, da erfuhren wir Kinder von unserer lieben Emelda, was für ein fauler und untreuer Vogel dieser Kuckuck wohl ist, der seine Eier in fremde Nester legt und seine Kinder von fremden Vögeln aufziehen läßt.
Aber die fromme Nonne hatte es tunlichst vermieden, uns auch das andere Kuckucksliedchen beizubringen, das zu ihrer Erklärung vielleicht passen würde:
Aber die fromme Nonne hatte es tunlichst vermieden, uns auch das andere Kuckucksliedchen beizubringen, das zu ihrer Erklärung vielleicht passen würde:
Auf einem Baum ein Kuckuck
Simsalabimbambasala dusala dim
Auf einem Baum ein Kuckuck saß.
Da kam ein junger Jägers
Simsalabimbambasala dusala dim
Da kam ein junger Jägersmann.
Er schoß den armen Kuckuck
Simsalabimbambasala dusala dim
Er schoß den armen Kuckuck tot.
Simsalabimbambasala dusala dim
Auf einem Baum ein Kuckuck saß.
Da kam ein junger Jägers
Simsalabimbambasala dusala dim
Da kam ein junger Jägersmann.
Er schoß den armen Kuckuck
Simsalabimbambasala dusala dim
Er schoß den armen Kuckuck tot.
Nach diesem Frühling ist auch ein wunderschöner Sommer übers Land gegangen. Er hat uns viel Arbeit und Freude gebracht und neues Leben um uns herum. Doch mit den letzten Schmetterlingen, mit den Kohlweißling, dem Zitronenfalter und dem Admiral ist dann auch diese schöne Zeit schon wieder so schnell vorüber gegangen.
Jetzt ist es wieder so weit: Es werden die Tage und Nächte wieder kürzer, der Morgen ist beim Aufwachen noch am Dämmern, und draußen spürst du beim ersten Atemzug, wie die Luft wieder recht frisch geworden ist. Auf den Telefondrähten äam ennschden Ecken versammeln sich die Schwalben schon für ihren gemeinsamen Abflug in die wärmeren Gegenden.
Es wird den Ornitologen wohl bekannt sein, von welcher geographischen Breite aus die Schwalben über Winter nicht mehr weiter nach Süden ziehen müssen; in Le Lavendou, meiner dritten Heimat, werden sie wohl für demnächst immer bleiben können; so sicher wie in Marrakesch, der Stadt meiner unerfüllten Sehnsüchte:
„Über den Dächern der Häuser praktiziert eine Bevölkerung von Schwalben. Es ist wie eine zweite Stadt; nur geht es in ihr so rasch zu wie auf den Gassen der Menschen langsam. Nie ruhen sich diese Schwalben aus, man fragt sich, ob sie je schlafen, es fehlt ihnen an Faulheit, Gemessenheit und Würde. Sie rauben, im Fliegen, die Dächer, die leer sind, mögen ihnen wie ein erobertes Land erscheinen.“
(Canetti, E.: Die Stimmen von Marrakesch. 1968, S.14)
Also, es war ein trauriges Bild, als ich zum Wochenende mit Mutter zum Metzger im Kaiserhof ging und die lange Reihe der einsam zurückgelassenen Schwalbennester sah. Und in unserm Garten, da lassen sich in den letzten Tagen auch die Schmetterlinge nicht mehr sehen. Wo sind sie hin? – Damals wußte ich noch nicht, daß manche unsere Bubeller, alljährlich auch eine überlange Reise antreten. De Bubeller och, unfaßbar! Mit ihren ach so hauchdünnen Flügeln können diese doch so zarten Wesen mit unzählig, unendlich vielen Flügelschlägen bis zu tausend Kilometer und mehr zurücklegen.
Wenn also die Schwalben und sogar die Schmetterlinge wegen der winterlichen Nahrungsnot in die sommerlichen Gefilde des Südens abfliegen; wieso haben unsere anderen Singvögel es nicht gelernt, es den Schwalben, Staren und Bubellern gleich zu tun?
„Im Winter geht es den Vögeln schlecht….“
„Die Vögel finden keine Nahrung mehr.
Viele sterben vor Hunger und Kälte.“
Wenn ich über acht Jahrzehnte zurückdenke, so bin ich meinen Eltern bis heute dankbar, mich schon von klein auf in so viele Dinge des Alltags eingewiesen zu haben. So wurde ich schon mit fünf an dem liebevollem und pflegsamem Umgang mit all unsern Tieren mitbeteiligt; besondersauch mit den bei uns überwinternden Singvögeln.
Schon vor dem ersten Winter nach unserm Umzug ins Zollhaus hatte Mutter von der Küche aus regelmäßig ein paar Haferflocken außen auf die Fensterbank gestreut. Erst trauten sich nur ein paar Kohlmeisen, dort zu landen und zu picken. Mit der Zeit wurden sie immer zutraulicher. Des öfteren sitze ich vorm Küchenfenster und schau nach draußen, schaue den kleinen Flattermännchen zu, die sich nun täglich auf dem schmalen Fenstersims versammeln.
Als wir dann im nächsten Frühjahr den von den Franzosen so kahl und öde zurückgelassenen Zollhausgarten gründlich bearbeitet hatten, und zum Sommer hin dort schon alles zu sprießen und zu blühen begann, als Knospen und Früchte ansetzten und sich daher reichlich Ungeziefer ansiedelte, da wurden nach anfänglichem Zögern, auf einmal auch weitere Singvögel bei uns heimisch.
Jetzt ist es wieder so weit: Es werden die Tage und Nächte wieder kürzer, der Morgen ist beim Aufwachen noch am Dämmern, und draußen spürst du beim ersten Atemzug, wie die Luft wieder recht frisch geworden ist. Auf den Telefondrähten äam ennschden Ecken versammeln sich die Schwalben schon für ihren gemeinsamen Abflug in die wärmeren Gegenden.
Es wird den Ornitologen wohl bekannt sein, von welcher geographischen Breite aus die Schwalben über Winter nicht mehr weiter nach Süden ziehen müssen; in Le Lavendou, meiner dritten Heimat, werden sie wohl für demnächst immer bleiben können; so sicher wie in Marrakesch, der Stadt meiner unerfüllten Sehnsüchte:
„Über den Dächern der Häuser praktiziert eine Bevölkerung von Schwalben. Es ist wie eine zweite Stadt; nur geht es in ihr so rasch zu wie auf den Gassen der Menschen langsam. Nie ruhen sich diese Schwalben aus, man fragt sich, ob sie je schlafen, es fehlt ihnen an Faulheit, Gemessenheit und Würde. Sie rauben, im Fliegen, die Dächer, die leer sind, mögen ihnen wie ein erobertes Land erscheinen.“
(Canetti, E.: Die Stimmen von Marrakesch. 1968, S.14)
Also, es war ein trauriges Bild, als ich zum Wochenende mit Mutter zum Metzger im Kaiserhof ging und die lange Reihe der einsam zurückgelassenen Schwalbennester sah. Und in unserm Garten, da lassen sich in den letzten Tagen auch die Schmetterlinge nicht mehr sehen. Wo sind sie hin? – Damals wußte ich noch nicht, daß manche unsere Bubeller, alljährlich auch eine überlange Reise antreten. De Bubeller och, unfaßbar! Mit ihren ach so hauchdünnen Flügeln können diese doch so zarten Wesen mit unzählig, unendlich vielen Flügelschlägen bis zu tausend Kilometer und mehr zurücklegen.
Wenn also die Schwalben und sogar die Schmetterlinge wegen der winterlichen Nahrungsnot in die sommerlichen Gefilde des Südens abfliegen; wieso haben unsere anderen Singvögel es nicht gelernt, es den Schwalben, Staren und Bubellern gleich zu tun?
„Im Winter geht es den Vögeln schlecht….“
„Die Vögel finden keine Nahrung mehr.
Viele sterben vor Hunger und Kälte.“
Wenn ich über acht Jahrzehnte zurückdenke, so bin ich meinen Eltern bis heute dankbar, mich schon von klein auf in so viele Dinge des Alltags eingewiesen zu haben. So wurde ich schon mit fünf an dem liebevollem und pflegsamem Umgang mit all unsern Tieren mitbeteiligt; besondersauch mit den bei uns überwinternden Singvögeln.
Schon vor dem ersten Winter nach unserm Umzug ins Zollhaus hatte Mutter von der Küche aus regelmäßig ein paar Haferflocken außen auf die Fensterbank gestreut. Erst trauten sich nur ein paar Kohlmeisen, dort zu landen und zu picken. Mit der Zeit wurden sie immer zutraulicher. Des öfteren sitze ich vorm Küchenfenster und schau nach draußen, schaue den kleinen Flattermännchen zu, die sich nun täglich auf dem schmalen Fenstersims versammeln.
Als wir dann im nächsten Frühjahr den von den Franzosen so kahl und öde zurückgelassenen Zollhausgarten gründlich bearbeitet hatten, und zum Sommer hin dort schon alles zu sprießen und zu blühen begann, als Knospen und Früchte ansetzten und sich daher reichlich Ungeziefer ansiedelte, da wurden nach anfänglichem Zögern, auf einmal auch weitere Singvögel bei uns heimisch.