Vun Dahaam - Titelgrafik; mit den Ortsnamen Brottroff (Brotdorf) und Mierzich (Merzig); im Hintergrund kartogfrafisch angedeutet: Ausschnitt Landkreis Merzig-Wadern; z.T KI-generiert
Archivfoto: Die Stirnseite eines weißen Hauses von weiter weg aufgenommen. In der Haustüre stehen mehrere Personen. Privat; Das ehemalige Zollhaus vom Brotdorf; vor der Haustüre stehen Mitglieder der Familie Engel-Berger, um 1936/37
Archivfoto: Lisa, Rudi, Will Engel vor ihrem Haus, ca. 1936
Fier mei Mamm un mei Papp, ed Bergesch Lisa un de Liescher Schwotzen
„Denn,“ sou hot hänn noch häannerher gesoat, “wer seine Mundart verlernt, der wird auch seine Heimat verlieren!“

Vun Dahaam entstand vor etwa 10 Jahren als Blog, den der Brottroffer Jung, Rudolf Engel, zusammen mit seiner Tochter Monika Buscher über Jahre betrieben hatte. Aus gesundheitlichen Gründen konnte er nicht mehr weitergeführt werden. Aber die Sprachschätze des Angebots sind nun als neues Webangebot „gesichert“ – webtechnisch und inhaltlich überarbeitet. Dies gilt vor allem für den wesentlichen Kern von Vun Dahaam: Das moselfränkische Wörterbuch. Überarbeitet, erweitert und mit Audioaufnahmen und Suchfunktion ergänzt, soll es zusammen mit den moselfränkischen Erzählungen ein Zeitfenster in eine vergangene und hoffentlich noch nicht ganz verschollenen Sprachheimat öffnen.
Wenngleich die muttersprachlich gefassten Reminiszenzen recht persönlich geprägt sind, so sind die Schilderungen über den dörflichen Charakter einer vergangenen Zeit zeitgeschichtlich nicht unbedeutend. Ein erheblicher Anteil der Texte sind vom Autor bereits damals aufgezeichnet oder in den darauffolgenden Jahren festgehalten worden.
Die Urfassung ist im Dialekt des Heimatortes Brotdorf geschrieben und nachträglich ins Deutsche übersetzt, da das Lesen der zuvor noch nicht vorhandenen Schriftsprache im Moselfränkischen der Unteren Saar selbst älteren Mitbewohnern schwerfallen könnte.

Ein aufgeschlagenes Wörterbuch liegt auf einem Tisch in einer Bibliothek. z.T. KI-generiert
Linkbox zu Redewendungen, Grafik

Persönliches Vorwort von Rudolf Engel

Wej vier mej als en half Joahrhonnerd oasen Deitschlehrer, de Wilhelm Schinhofen, oas off ´m Gelände vum Leherseminar Lebach begeend äas un wej denn oas zwejn, de Seiwert Theo aus Merchingen un meich vu Brottroff, hot hieren, wej mir wej dahaam mäadenanner musselfränkisch geschwatt hun, döö äas henn bei oas stejh bliff und hot oas geluafd und offgemonderd, oas Sprooch nur goad bei ze behaalen, sei goad ze flejen und och speeder äan oasem Lewen, egal woù ed Schicksal oas hin verschlejn geeng, net ze vergäaßen.
„Denn,“ sou hot hänn noch häannerher gesoat, “wer seine Mundart verlernt, der wird auch seine Heimat verlieren!“
Eich säan äan meim Lewen vill äan der Welt rem komm; hun awer emmer nommoa de Weh nöö dahaam zereckgefonn. Ma well seich oder sein Heimat joo net mäat der gruß Weltgeschicht vergleichen, woù soù vill Iwwerragendes passiert äas, woù soù vill Grußes offgeblejhd un dönööh nommoa vergang äas. Döödegeend meschd seich dat, wat meich hei bedreckd, wej e Meeckeschess off der Dechdeck aus, vun dem ed bei de mierschde Leit dahaam och goar nemmej de Riad äas: Mir awer dääd ed (um Enn vun meim Lewen) äan der Sejl wejh, ze erlewen, wej oas musselfränkisch Sprooch äan denne ledschden Joahren emmer mej verwässert gäan äas un haut schun döbei äas, ganz verluur ze gehjn.
Un wenn hei e poar Erennerongen „vu frejer“ offgeschriff gäan, äan dem Wuadlaut, wej mir ed vun oasen Eltern un vun de Leit aus oasen Därfern geliehrd hun, dann äas dömäat dej klään Hoffnung verbonn, e besselchin dözoù beizetrejn, dat oas Sprooch net ganz verlur gäähd.
Eich geeng meich frääen, wenn denn äänen oder dej annere, vun dennen, dej dat hei lesen, mäadmaachen kennt, oas Sprooch lebendisch zu haalen.
Als vor mehr als einem halben Jahrhundert unser Deutschlehrer, Wilhelm Schinhofen, uns auf dem Gelände des Lehrerseminars begegnete und er uns beide, den Seiwert Theo aus Merchingen und mich von Brotdorf, hörte, wie wir miteinander moselfränkisch sprachen, da ist er stehen geblieben, hat uns gelobt und aufgemuntert unsere Sprache gut beizubehalten, sie zu pflegen und auch später in unserm Leben, gleich, wo uns das Schicksal hin verschlagen würde, nicht zu vergessen.

„Denn,“ so hatte er noch hinterher gesagt: „wer seine Mundart verlernt, der wird auch seine Heimat verlieren!“
Ich bin in meinem Leben viel in der Welt herumgekommen, habe aber stets den Weg nach Hause zurückgefunden. Man will sich oder seine Heimat ja nicht mit der großen Weltgeschichte vergleichen, wo so viel Überragendes geschieht, wo so viel Großes aufgeblüht und danach wieder vergangen ist. Dagegen macht sich das, was mich hier bedrückt, wie ein Mückenschiss auf der Tischdecke aus, von dem bei den meisten Leuten daheim auch gar nicht mehr die Rede ist: Mir aber tut es (am Ende meines Lebens) in der Seele weh, zu erleben, wie unsere moselfränkische Sprache in den letzten Jahren immer mehr verwässert wurde und heute schon dabei ist, ganz verloren zu gehen.
Und wenn hier ein paar Erinnerungen von früher aufgeschrieben werden, in dem Wortlaut, wie wir es von unseren Eltern und von den Leuten aus unseren Dörfern gelernt haben, dann ist damit die kleine Hoffnung verbunden, ein wenig dazu beizutragen, dass unsere Sprache nicht ganz verloren geht.
Ich würde mich freuen, wenn der eine oder die andere von denen, die das hier lesen, mitmachen könnte, unsere Sprache lebendig zu halten.