Adventkranz, Adventskranz, Kerzen

 Ein Lichtlein brennt

Wääscht dau, diss Joahr fällt joo denn ejschten Adventsonndisch mäat em ejschten Dezember zesummen.
Weißt du, dieses Jahr fällt ja der erste Adventssonntag mit dem ersten Dezember zusammen.
Dat äas neischt Ugewöhnliches; dat hot ed frejher schun dixer gäan.
Das ist nichts Ungewöhnliches; das hat es früher schon öfter gegeben.
Jo, jo, gejh mir fott vu frejher! Wääschde, dej alt Leit, dej soan bei jeder Saach: „Frejher woar alles besser!“
Ja, ja, geh mir fort von früher! Weißt du, die alten Leute, die sagen bei jeder Sache: „Früher war alles besser!“
Eich geeht soan: Net alles woar frejher besser; awer vill woar dömoals annerscht. Dat gääht schun beim Ufang vum Kärchejoahr los, alsoù mäat der Adventszeit. Guck der nur moal un, wat ed haut net alles un Adventskränz gefft: dausende vun Sorten, aus Fischten, aus Tannen, aus Wuarzeln, aus Birkenreisern, aus Kiwwernrenn, aus Edelmetall, sugoar aus Plastik!
Ich würde sagen: Nicht alles war früher besser; aber vieles war damals anders. Das geht schon mit dem Anfang des Kirchenjahres los, also mit der Adventszeit. Schau die nur mal an, was es heute nicht alles an Adventskränzen gibt; tausende von Sorten, aus Fischten, aus Tannen, aus Wurzeln, aus Birkenreisern, aus Kiefernrinde, aus Edelmetall, sogar aus Plastik!
Un de Leit vun haut, ob se noch äan de Kärrich gejhn, ob se noch un´d Chreschtkendschi glääwen oder net: En Adventskranz hun se fascht all noch dahaam.  Awer se säan miaschtens net selver gemaach, ed säan gekääfte Känz. Sei hun se bluuß als en schejn Deschdekoration!
Und die Leute von heute, ob sie noch in die Kirche gehen, ob sie noch ans Christkindchen glauben oder nicht: Einen Adventskranz haben fast alle. Aber die sind meistens nicht selbst gemacht, es sind gekaufte Kränze. Sie haben sie auch bloß als eine schöne Dekoration!
Un wat se net alles dö droff lööden: net nur dej vejer Kierzen; dö säan schun de Kucheln vum Chrteschtbäämschin droff, kenschtlich Bloomen un em Deiwel sein Sorten vun Schmucksaachen und Sejßischkääten…
Und was sie nicht alles da drauf laden: nicht nur die vier Kerzen; da sind schon die Kugeln vom Christbäumchen drauf, künstliche Blumen und des  Teufels Sorten von Schmucksachen und Süßigkeiten…
Wenn de dich emoal emguckscht äan de Geschäften, off denne  Weihnachtsmärkten un sugoar äam Fernsehn, wat ed haut fier Sorten vun Adventskränzen gefft, dann brauchscht dau deich net ze wonnern, wenn bei dännen, dej soù ebbes kääfen, denn ääjentliche Sinn vun der Adventszeit längscht verluur gang äas. Se feiern all noch den Advent; awer wenn vun dännen lewt dann noch dönöh?
Wenn du dich einmal umschaust in den Geschäften, auf diesen Weihnachtmärkten und sogar im Fernsehen, was es heute für Sorten von Adventkränzen gibt, dann brauchst du dich nicht zu wundern, wenn bei denen, die so etwas kaufen,  der eigentliche Sinn der Adventszeit längst verloren gegangen ist. Sie feiern alle noch den Advent; aber wer von denen lebt denn noch danach?
Ed wär secher spannend, äämoal erem ze fröen, ob dejjenijen iwerhaupt noch wessen, wat  denn Kranz iwerhaapt fier ´n Bedeutung hätt.
Es wäre sicher spannend, einmal umher zu fragen, ob diejenigen überhaupt noch wissen, welche Bedeutung dieser Kranz hat.
Dej vejer Kiarzen, dej wellen oas soan, dat ed Volk Israel äam Alten Teschdament de ganz Zeit iwwer, also vejer dausend Joahr  off d´n Erlöser gewoart hun. Wenn se hin dann doch net als Sohn Gottes unerkannt, henn sugoar un´d Kreiz geschlöh hun, so hoffen doch haut noch vill Millionen Menschen off der Welt, dat henn dörch sein Leiden um Kreiz de ganz Menschhäät erlösen un äan den Himmel höllen deet.
Die vier Kerzen, die wollen uns sagen, dass das Volk Israel im Alten Testament die ganze Zeit über, also vier tausend Jahre auf den Erlöser gewartet haben. Wenn sie ihn dann doch nicht als Sohn Gottes anerkannt, ihn sogar ans Kreuz geschlagen haben, so hoffen doch heute noch viele Millionen Menschen auf der Welt, dass er durch sein Leiden am Kreuz die ganze Menschheit erlösen und in den Himmel holen würde.
Dej modern Leit, fier dej äas ed e schejne Brauch, vejer Wochen vier Weihnachten en Adventskranz offzestellen, soù wej ma Oaúschtern de Oúschterääjer sejche gääht, wej ma de Föösent feiert oder de Kermess, nauerdengs och noch Haloween.
Die modernen Leute, für die ist es ein schöner Brauch, vier Wochen vor Weihnachten einen Adventskranz aufzustellen, so wie man an Ostern die Ostereier suchen geht, wie man Fasching feiert oder die Kirmes, neuerdings auch noch Haloween.
Wenn ed noch e Kranz wär, soù wej mir en frejher geweckelt hotten un ed haut och noch maachen: ääfach un schlicht, mäat net vill drem rem, e Fichtekranz, grejn, weil dat de Hoffnung off de Geburt vum Chreschtkendschi symbolisiert soù wej dej vejer ruut Kierzen dej vejer dausend Joahr, äan dennen de Israeliten off den Erlösser gewoart hun…
Wenn es noch ein Kranz wäre, so wie wir ihn früher gewickelt hatten und es heute auch noch machen: einfach und schlicht, mit nicht viel drum herum, ein Fichtenkranz, grün, weil das die Hoffnung auf die Geburt des Christkindes symbolisiert so wie die vier roten Kerzen die vier tausend Jahre, in denen die Israeliten auf den Erlöser gewartet haben…

Un en  Adventskalänner fier de Käanner


Wenn och haut noch vill Leit den Advent mäatmaachen, soù begejhn sei dej Zeit doch nett mej soù, wej ed seich gehiert;  se leewen den Advent nemmej!
Wenn auch heute noch viele Leute den Advent mitmachen, so begehen sie die Zeit doch nicht so, wie es sich gehört; sie leben den Advent nicht mehr.
Awer de Käanner, dej hun noch hier echt Frääd drun! Doch, wej bei de Gruußen, soù hätt seich och bei de Käannern manches geännert. Haut grejn se fascht all en prächtijen, en gekääften Adventskalenner geschenkt. Ed gefft e regelrechten Moart fier Adventskalenner, dausend  verschiedene Sorten!
Aber die Kinder, die haben noch ihre echte Freude dran! Doch wie bei den Großen, so hat sich auch bei den Kindern manches geändert. Heute bekommen sie fast alle einen prächtigen, einen gekauften Adventskalender geschenkt. Es gibt einen regelrechten Markt für Adventkalender, tausend verschiedene Sorten!
Wej mir noch Käanner woaren, dö hot ed soù ebbes wej en Adeventskalenner noch goar net gäan. Jedefalls kann eich meich un soù ebbes bei oas dahaam net erennern. Denn äas ejscht vill speeder offkomm.
Als wir noch Kinder waren, da hatte es so was, also einen Adventskalender  überhaupt noch nicht gegeben. Jedenfalls kann ich mich an so etwas bei uns daheim nicht erinnern. Der ist erst viel später aufgekommen.
Mein Fraa un eich, mir hotten dömäat ugefang, wej  oas äjene Käänner aus de Wendeln woaren. Awer, wenn oas Käanner en Adventskalenner wollten, dann äas denn net vun oas gekääft gäan, dann hun mir denn selver gemaach, de Käanner selver, un de Mamm hot hinnen döbei geholf.
Meine Frau und ich, wir hatten damit angefangen, als unsere Kinder aus den Windeln waren. Aber, wenn unsere Kinder einen Adventskalender wollten, dann ist der nicht von uns gekauft worden, dann haben wir den selbst gemacht, die Kinder selbst, und die Mutter hatte ihnen dabei geholfen.
Eich wäß noch, wej dej Jengscht oas gedieringelt hot, 24 Waalness vorsichtisch offzemaachen un de Käaren erauszehöllen. Dann hot sei de Hälft vun denne halwen Nossschellen off en ugemoalten Stern aus Pappedeckel gekleewt. Un wenn de Mamm dann häämlich äan jed ebbes Schnäksisches dräagelööt hot, dann äas dej anner Nosschellenhälft  droffgelööht gäan, un fiertisch woar den Adventkalenner aus 24 Nessen off 24 leuchtenden Steeren!
Ich weiß noch, als die Jüngste uns gedrängelt hatte, 24 Walnüsse vorsichtig aufzumachen und den Kern herauszuholen. Dann hatte sie die Hälfte von den halben Nussschalen auf einen angemalten Stern aus Karton  geklebt. Und wenn dann die Mutter heimlich in jede etwas Naschhaftes hineingelegt hatte, dann wurde die andere Nussschalenhälfte draufgelegt, und fertig war der Adventkalender aus 24 Nüssen auf 24 leuchtenden Sternen.
Eich wääß och noch, wej oas Ältscht schun Woche fierher ugefang hot, dej leer Streichholzschachteln  ze sammeln un fier de Adventszeit oofzehiawen. 24 Steck säan dann zoù ´nem Heisschi iwernanner gekleeft un off en Schoùhschachteldeckel fescht gemaach gäan. Un de Mamm hot dann äan jed Schachtel ebbes Kläänes räagelööt: färwisch Gummibäärcher, kletzeklään Schokoladenreppcher, klään Bildcher, Zierdelcher mäat em Spruch droff oder wat ma seich vum Chreschtkendschi wensche geeng.
Ich weiß auch noch, wie unsere Älteste schon Wochen vorher angefangen hatte, die leeren Streichholzschachteln zu sammeln und für die Adventszeit aufzuheben. 24 Stück sind dann zu einem Häuschen übereinander geklebt und auf einem Schuhschachteldeckel befestigt worden. Und die Mutter hatte dann in jede Schachtel etwas Kleines  hinein gelegt: farbige Gummibärchen, klitzekleine Schokoladenrippchen, kleine Bildchen, Zettelchen mit einem Spruch darauf oder, was man sich vom Christkindchen wünschen würde.
Fier dej Adventssaachen hotten mir en extra Dechelchin äan der goat Stuff offgestallt. Dat hot dann soù feierlich ausgesejhn, den Adventkranz äan der Metten un dej zwejn Kalenner vun de Meedchern lenks un reets denewen. Off dat Dechelchin äas dann um Heilisch Oowend anstatt em Adventskranz de Chreschtbaam komm.
Für die Adventssachen hatten wir ein extra Tischchen in der Guten Stube aufgestellt. Das hat dann so feierlich ausgesehen, der Adventskranz in der Mitte und die zwei Kalender von den Mädchen rechts und links daneben. Auf das Tischchen kam dann am Heilig Abend anstelle des Adventskranzes der Christbaum.
Iwrijens, dat Dechelchin, dat äas zugleich och en Erennerongssteck un mein Elternhaus, en Erbsteck soùzesoan. Ed äas meim Papp sein Schoùschterdech. Ma moß wessen, dat mei Papp ganz frejher oas Schoùh selver gefleckt hot. Dat woar dann emmer off demm Dechechelchin passiert. Enner der Dechplatt dö woar noch en Oart Schublööd.  Un wemma de Dechplatt offgehuaw hot, dann äas em Papp sei Schoùschterwerkzeich zum Vorschein komm. Un döö leit ed haut noch.
Übrigens, das Tischchen, das ist zugleich auch ein Erinnerungsstück an mein Elternhaus, ein Erbstück sozusagen. Es ist meines Vaters Schustertisch.Man muß wissen, dass mein Vater ganz früher unsere Schuhe selbst geflickt hatte. Das ist dann immer auf diesem Tischchen passiert. Unter der Tischplatte befindet sich noch eine Art Schublade. Und wenn man die Tischplatte abhob, dann ist Vaters Schuhwerkzeug zum Vorschein gekommen. Und da liegt es heute noch.
Wej beim Adventskranz, soù kennt ma seich och frööen, wat soù e Kalenner iwerhaapscht mäat ´m Advent ze dejn hätt. Mir fällt döbei äan, dat jo dej Adventszeit zugleich och en Faaschtenzeit äas, jedefalls woar ed  frejher soù. Dej Gruußen, dej hotten seich dömoals viergehööl, freides kää Flääsch ze äaßen (ääjentlich hot ed bei oas freides nie Flääsch gäan), seich  äan der Zeit net de Bauch voll ze schlejn, ed Raachen und ed Sauffen zereckzeschrauwen…
Wie  beim Adventkranz, so könnte man sich auch fragen, was so ein Kalender überhaupt mit dem Advent zu tun hätte. Mir fällt dabei ein, dass ja die Adventszeit zugleich auch eine Fastenzeit ist, jedenfalls war es früher so. Die Großen hatten sich damals vorgenommen, freitags kein Fleisch zu essen (übrigens hatte es freitags bei uns nie Fleisch gegeben), sich in dieser Zeit nicht den Bauch voll zu schlagen, das Rauchen und das Saufen zurückzuschrauben…
Un de Käanner, dej hun äan der Zeit net soù vill debaußen spille gejhn därfen, net wej sonscht äan´d Kino gejhn, un soù. Äan der Adventszeit, dö säan de Gutzjer weechgespäart gäan, dö hot ed äan der Zeit iwerhaupt kään Sejßischkääten gaän.
Und die Kinder, die durften in dieser Zeit nicht mehr so viel nach draußen zum Spielen gehen, nicht ins Kino gehen und so. In der Adventszeit, da wurden die Bonbons weggesperrt, da hatte es in dieser Zeit überhaupt keine Süßigkeiten gegeben.
Un en ejschte Schritt, dat Faaschtegebot e Steckchin zu lockern, dat woar ewen den Adeventskalenner. Denn woar hauptsächlich döfier döö, em de Käanner dej lang Zeit vun vejer Wochen Abschdinenz e besselschi leichter ze maachen. Soù woar ed doch schejn, de Käannern jede Morjen nöm Kaffetrenken en klään Frääd ze maachen, en klään Iwerraschong ze bejden; em soù mej  woaren sei dann um Heilijen Oowend off ed Chreschtkennschi gespannt!
Und ein erster Schritt, das Fastengebot ein Stückchen zu lockern, das war eben der Adventskalender. Der war überhaupt dafür da,  den Kindern die lange Zeit von vier Wochen Abstinenz etwas leichter zu machen. So war es doch schön, den Kindern jeden Morgen nach dem Frühstück eine kleine Freude zu bieten;  um so mehr waren sie dann am Heiligen Abend auf das Christkindchen gespannt!
Haut maachen vill, vill Käanner emmer noch jede Morjen äan hierem Adentskalennern en nau Fenschterchin off; awer de miaschten brauchen de ganzen Daach iwer off hier anner Sejßischkääten net ze verzichten. Fier hier Zänn, fier hiere Mööen un fier hieren dicke Bauch wär ed schun besser, wenn se wenigschtens äan der Adventszeit de Fengern dövun lossen geengen.
Heute machen viele, viele Kinder immer noch jeden Morgen an ihrem Adventskalender ein neues Fensterchen auf; aber die meisten brauchen den ganzen Tag über dennoch nicht auf ihre anderen Süßigkeiten zu verzichten. Für ihre Zähne, für ihre Mägen und für ihren dicken Bauch wäre es schon besser, wenn sie wenigsten in der Adventszeit die Finger davon ließen.

Es ist ein Ros entsprungen…

Wej gesoat, dejn Leit vun haut hun all en Adventskranz äan der Wunning. Sei hun och en Adventskallennner offgestallt; dejn sei och dönööh lewen, soù wej frejher?
Wie gesagt, die Leute von heute haben alle einen Adventskranz in der Wohnung. Sie haben auch einen Adventskalender aufgestellt; aber leben sie auch danach, so wie früher?
Wenn dau meich frööscht, wat denn außerdemm dej Adventszeit vu frejher ausgemaach hot, dann faalen mir dözoù dej Kärchelejder äan.
Wenn du mich fragst, was denn außerdem die Adventszeit von früher ausgemacht hatte, dann fallen mir dazu die Kirchenlieder ein.
Speedeschtens dann, wenn mir Käanner Ende November, Ufang Dezemvber äan de Schoulmäas gang säan, un wenn dann de Orjel beim Introitus ugefang ze spillen, dann hummir sofort gewoscht:

De Adventszeit äas dö!
Spätestens dann, wenn wir Kinder Ende November Anfang Dezember in die Schulmesse gegangen sind, und wenn dann die Orgel beim Introitus anfing zu spielen, dann hatten wir sofort gewusst:

Die Adventszeit ist da!
De Kärchelejder äan der Adventszeit, dej säan ebbes ganz Besonneres. Deren Melodien, dej hun ganz annerscht geklong,  äänerseits en besselschi traurisch, annererseits awer doch recht feierlich.
Die Kirchenlieder in der Adventszeit sind eben etwas Besonderes. Deren Melodien haben ganz anders geklungen, einerseits ein bischen traurig, andererseits aber doch recht feierlich.
Un denn ääjene Charakter vun den Adventslejdern, denn konnscht dau och aus de Wiartern eraus hieren. Dej dejn ed Chreschtkennschi regelrecht herbei gesehnen:
Und den eigenen Charakter der Adventslieder, den kannst du auch aus den Wörtern heraushören. Die sehnen das Christkind regelrecht herbei:
– Maria durch den Dornwald ging!

– O Heiland reiß die Himmel auf!

– Es ist ein Ros entsprungen!

– Kommet ihr Hirten!
– Maria durch den Dornwald ging!

– O Heiland reiß die Himmel auf!

– Es ist ein Ros entsprungen!

– Kommet ihr Hirten!
Eich hot de Adventlejder emmer gäar gesong, och äan der Schoùl.  Wenn oas Fräulein Motsch äam Ufank und zum Schluß vum Unterricht jedes Moal en Adventlejd ugestemmt hot, dann hun mir Käanner kräftisch mäat gesong. Dat woar jedes Moal e feierliche Moment; döbei hot och secherlich de Vierfrääd off ed Chreschtkendschi mäatgespillt.
Ich hatte die Adventslieder immer gern gesungen, auch in der Schule. Wenn unser Fräulein Motsch am Anfang und zum Schluß vom Unterricht anstimmte, dann hatten wir Kinder kräftig mitgesungen. Das war jedes Mal ein feierlicher Moment; dabei hatte sicherlich auch die Vorfreude auf das Christkind mitgespielt.
Sou`woar ed sugoar bei oas dahaam. Äan oaser Famillisch, dö äas ed Joahr iwer vill gesong gäan. Un daat net nur un de grußen Feierdeechen und de Famillienfeschten! Wenn mei Mamm goat drun woar, dann hot sei dix de ganzen Daach lang bei hierer Ärwet ään ´d vun hieren Lejdern off de Leppen. Hier Lieblingslejd woar: „Fern im Süd das schöne Spanien!“ Un äan der Adventszeit, dö woar ed  selbverständlisch, dat sei och dahaam, net debaußem awer äam Haus, de Adventslejder ugestäammt hot.
So war es sogar bei uns daheim. In unserer Familie, ist das Jahr über viel gesungen worden. Und das nicht nur an den großen Feiertagen und den Familienfesten! Wenn meine Mutter gut drauf war, dann hatte sie öfter den ganzen Tag lang eines ihrer Lieder auf den Lippen. Ihr Lieblingslied war: „Fern im Süd das schöne Spanien!“ Und in der Adventszeit, da war es selbstverständlich,  dass sie auch daheim, nicht draußen, aber im Haus, die Adventslieder angestimmt hatte.
Wenn mir Käanner aus der Schoùl komm säan un der Mamm bei der Ärwet ebbes zur Hand gang säan, dann hun mir emmer mäatgesong. Wenn ed mir dönöh woar, dann hun eich zoù der Zeit sugoar äam Keller „O komm, o komm Emmanuel!“ gesong, wenn eich fier de Mamm e Glas Äagemaachtes oder fier de Papp e Kroch Viez hun hölle missen.
Wenn wir Kinder aus der Schule kamen und der Mutter bei der Arbeit etwas zur Hand gingen, dann haben wir immer mitgesungen. Wenn es mir danach war, dann habe ich zu der Zeit sogar im Keller, wenn ich für Mutter ein Glas Eingemachtes oder für Vater einen Krug Viez holen musste, kräftig  „O komm, o komm, Emmanuel“ gesungen.
Wenn eich ed mir iwerleehen, soù kann eich meich nemmej erennern, wann eich dahaam zum letzschte Moal en Adventslejd gesong hun.
Wenn ich es mir überlege, so kann ich mich nicht mehr erinnern, wann ich dahaam zum letzten Mal ein Adventslied gesungen habe.

Adventszeit äas Faaschtenzeit

Frejher, dat hääscht, bei oas äam Dörref, dö hät ma alsoù de Adventszeit net nur äan der Kärrisch mäatgrejt. Och dahaam, äan jeder Famillisch, dö woaren dej vejer Wochen en schejn Zeit, äan der mir oas all off dat gruuß Weihnachtsfescht ennerlich äagestemmt hun. Un eich hun rereckguckend noch dat Gespür, dat ma während der Zeit ennernanner mej zesumme gehall hun, noch mej, wej dat sonscht schun der Fall gewierscht äas.
Früher, das heißt, bei uns im Dorf, da hatte man die Adventszeit nicht nur in der Kirche mitbekommen. Auch daheim, in jeder Familie, da waren die vier Wochen eine schöne Zeit, in der wir uns alle auf das große Weihnachtsfest innerlich eingestimmt haben. Und ich habe rückblickend noch das Gespür, dass wir während dieser Zeit untereinander mehr zusammen hielten, noch mehr, als das sonst schon der Fall gewesen sein mag.
Bei den Adventslejdern, dö hot mei Papp zwoar net mäatgesonng; dat woar och goat soù, denn mei Papp, denn konnt vill, nur net sengen. Awer henn hot ewen off sein Oart de Adventszeit äagehall.Ed woar schun um Ufank gesoat gäan, dat net nur fier de Käanner, sonnern ejscht recht fier dej Gruußen, den Advent en Faaschtenzeit woar. Un dörun hot seich och mei Papp äänijermoaßen gehall.
Bei den Adventsliedern, da hatte mein Vater zwar nicht mitgesungen; das war auch gut so, denn mein Vater, der konnte viel, nur nicht singen. Aber er hatte eben auf seine Art die Adventszeit eingehalten.Es war schon am Anfang gesagt worden, dass nicht nur für die Kinder, sondern erst recht für die Großen der Advent eine Fastenzeit war. Und daran hatte sich auch mein Vater einigermaßen gehalten.
Woù henn noch net dauernd soù krank woar, dö hot henn jeden Daach sei Viez un och sei Schnaps getronk, un dat ziemlich. Weerdes hot henn nö der Schicht sein Peif geraacht und sonndes nö´m Mettischäassen sein Zigar. Awer äan der Faschtenzeit un och äam Advent, dö hot henn seich mäat em Viez un nem Schnaps ziemlich zereck gehall. Un denne vejer Adventssonndischen, dö hot ed och kään Zigar gäan.
Als er noch nicht dauernd so krank war, da hatte er jeden Tag seinen Viez und auch seinen Schnaps getrunken, und das ziemlich. Werktags hatte er nach der Schicht seine Pfeife geraucht und sonntags nach dem Mittagessen seine Zigarre. Aber in der Fastenzeit und auch im Advent, da hatte er sich mit dem Viez und dem Schnaps ziemlich zurück gehalten. An den vier Adventssonntagen, da gab es auch keine Zigarre.
Ää moal, bei oas woar um vejerten Adventssonndisch sein Schweschter, de Tant Sanny vun Dellingen, zoù Besuch. Nööm Äassen äas mei Papp offgestann, mescht ään Schubload nö der annern off un guckt verluur mei Mamm un. Und dej seet:
Einmal, bei uns war am vierten Adventssonntag seine Schwester, die Tant Sanny von Dillingen, zu Besuch. Nach dem Essen ist mein Vater aufgestanden, macht eine Schublade nach der andern auf und schaut verloren meine Mutter an. Und diese sagt:
„Wat lääfscht dau dann loo dauernd hin un her? Wat sejscht dau dann, dau helscht oas jo de Roùh vum Dech weesch?“
„Was läufst du dann da dauernd hin und her? Was suchst du denn, du holst uns ja die Ruhe vom Tisch weg?“
„Ma mein Kescht mäat de Zigarn!“„Dau wierscht deich doch net ennerstejhn, wei äam Advent en Zigar ze raachen!“
„Ma meine Kiste mit den Zigarren!“„Du wirst dich doch nicht unterstehen, jetzt im Advent eine Zigarre zu rauchen!“
Dö hot de Tant Sanny gesoat:„Wei loß him doch de Spaß, haut, woù eich ze Besuch säan, dö kann henn seich doch zur Feier des Tages sich ään usteechen!“
Da hat die Tant Sanny gesagt:„Jetzt laß ihm doch seinen Spaß, heute, da ich zu Besuch bin, da kann er sich doch zur Feier des Tages eine anstecken.“
Döroffhin hot de Papp monter weider gemaach, sein Zigarn ze sejchen, awer ohne Erfollisch.
Daraufhin hatte Vater wieder munter weiter gemacht, seine Zigarren zu suchen, aber ohne Erfolg.
„Ewei loss ed goat säan“, seeht dö mei Mamm, „dau kannscht joo speeder weider sejchen!“
„Jetzt laß es gut sein“, sagte da meine Mutter, „du kannst ja später weiter suchen!“
Awer henn konnt sein Zigarrekescht och speeder net fennen. Dödrun, da dej Zigarrekescht net mej off hierm gewinnte Platz woar, dödrun woar eich schold, extra. Eich hot de Kescht verstoppt, wollt se bes Weihnachten zereckhaalen.
Aber er konnte seine Zigarren auch später nicht finden. Daran, dass die Zigarrenkiste nicht mehr auf ihrem gewohnten Platz war, daran war ich schuld, extra. Ich hatte die Kiste versteckt, wollte sie bis Weihnachten zurückhalten.
Un wej mir um Heilisch Oowend oas all ennerm Chreschtbaam versammelt hotten, un mei Papp dann dat Geschenk offgemaach hot, dat vun mir äan  Goldpabeier äageweckelt gäan woar, un wej dann sein Zigarrekescht zum Vorschein komm äas, dö hot seich de Papp iwer dat Geschenk vu mir mej gefräät als iwer dej nau Krawatt vun der Mamm un dej selver gestreckte Socken von Tant Sanny.
Und als wir am Heilig Abend uns alle unterm Christbaum versammelt hatten, und mein Vater dann das Geschenk aufmachte, das von mir in Goldpapier eingewickelt worden war, und wie dann seine Zigarrenkiste zum Vorschein kam, da hatte sich Vater über dieses Geschenk von mir mehr gefreut als über die neue Krawatte von Mutter und die selbst gestrickten Socken von Tant Sanny.
Wenn mein Vater auf die heutige vorweihnachtliche Glitzer- und Flimmerwelt hinabschauen könnte, was würde er sagen! Er, ein durchweg frommer Mann, der auch gerne in privater Gesellschaft gepredigt hatte, würde uns vielleicht auf einen ursprünglichen Sinn von Advent zurückweisen wollen.

Advent ist überall!

Advent ist überall dort, wo Menschen noch hoffen und abwarten können; wo Menschen wie in bangem und freudigem Sehnen darauf ausharren, etwas Liebgewonnenes wieder zu finden, was ihnen am Herzen liegt, was sie aber irgendwo verloren haben.