1950! Anno Santo – Mit dem Rad nach Rom



„Die Erinnerung ist das einzige Paradies,
aus dem wir nicht vertrieben werden können.“
Jean Paul Friedrich Richter

Für Willi                  
roma eterna
 Vorwort
„Tradition ist die Erhaltung der Flamme,
nicht die Anbetung der Asche.“
Gustav Mahler

De Tradition, dat äas, wemma de Flamm erhäld,
un net, wemma de Eeschen ubeeden dääd.

Die Absicht, im hohen Alter noch einmal das eigene Tagebuch aus dem Jahre 1950 in die Hand zu nehmen, ist aus zwei Anlässen erwachsen, einem inneren und einem äußeren.
Von außen angeregt hatte mich die in den Medien verbreitete Nachricht, daß Papst Franziskus für 2016 ein außerordentliches Heiliges Jahr ausgerufen hatte.
Von innen heraus, erinnerte mich diese Nachricht daran, einem über die Jahre hinausgeschobenen Vorhaben endlich nachzugehen, speziell dieses Tagebuch von 1950 für zeitgeschichtlich Interessierte zu veröffentlichen. Kern dieses Tagebuches bildet die darin festgehaltene per Fahrrad zusammen mit meinem Schulfreund Willi Wagner unternommene Pilgerfahrt nach Rom.  Letztlich ist damit auch die ebenso längst gehegte Absicht verbunden, meinem besten, allzu früh verstorbenen Freund Willi den gebührenden persönlichen Nachruf zu verschaffen.

Also, in diesem Tagebuch1950, das der Halbwüchsige damals „Mein Logbuch“ nannte, spiegelt sich die Denk- und Schreibweise eines damals Achtzehnjährigen, die den Alten von heute in mancher Hinsicht in Staunen versetzt und auch für den interessierten Leser nicht uninteressant erscheinen mag.
In frommer Arbeiterfamilie, in Brotdorf, einem durchweg streng katholischen Kleindorf am Rande des „Schwarzwälder Hochwaldes“ aufgewachsen, schon mit sieben Meßdiener und im gleichen Jahr als einziger des Ortes zur damals erstmals probeweise in der katholischen Kirche eingeführten Frühkommunion ausgewählt, gleich darauf durch den Heiligen Geist der Firmung so gefestigt, dass der Knabe die folgenden fünf Jahre im Jungvolk der Hitlerjugend zwar begeistert, aber offenbar ohne sichtbaren Schaden und ohne spürbare Erschütterung der festen Glaubensauffassung überlebte und also bereits im ersten Nachkriegsjahr mit voller Überzeugung und frommem Eifer ins Katholische Lehrerseminar des Saarlandes eintrat, obgleich seine Mutter ihn lieber als Priesterseminarist im Trierer Konvikt gesehen hätte.

Durch den fortgesetzten Impetus seines dortigen Religionsprofessors, (von den Seminaristen „Dr. Junge“ oder nur „Junge“ genannt), wurde der Lehramtskandidat animiert, zwar nicht im Gewande, aber ganz im Geiste eines Mönches, wie einst der junge Luther, nach Rom zu pilgern, um für das bevorstehende Erwachsenendasein den urbi-et-orbi-Segen von Gottes Stellvertreters zu erlangen und die erlösende Gnade eines vollkommenen Pilgerablasses zu gewinnen.
Auf dem Deckblatt dieses Logbuches sind folgende erste Zeilen festgehalten:

„In der linken Ecke unten das Lehrerseminar, in der unteren Ecke rechts das Zollhaus und in der oberen Ecke rechts der Petersdom. Das sind die drei Eckpunkte, in und zwischen denen sich mein Leben in diesem „Anno Santo“ von 1950 abspielen soll.“

Was den Umfang und Schreibstil betrifft, ist dieses Tagebuch kein ausladendes Epos; vielmehr ein teils knapp, teils etwas ausführlicher gehaltenes, auch fehlerhaftes Notizbuch, das auf schmückendes Beiwerk ebenso verzichtet wie auf belletristische Darlegung.
Die in wörtlicher Rede gehaltenen Zwiegespräche, sowie die im moselfränkischen Dialekt gehaltenen Gedichte und Sprüche sind aus der Erinnerung heraus nachgestellt.
Sollte das Lesen der moselfränkischen Passagen Schwierigkeiten bereiten, dann empfiehlt es sich, das Brotdorfer Wörterbuch und seine Suchfunktion zu konsultieren (falls dort Begriffe – noch – nicht aufgeführt sind, freuen wir uns über eine Rückmeldung!)
Ein aufgeschlagenes Wörterbuch liegt auf einem Tisch in einer Bibliothek. z.T. KI-generiert
Zwischen Brotdorf, Lebach und Rom – Teil 1
– Teil 1 – Kapitel 1 – Zwischen Brotdorf, Lebach und Rom
– Teil 1 – Kapitel 2 – Äan mein Tagebooch vun 1950 säan…
– Teil 1 – Kapitel 3 – Junge woa ed och, denn eech … Pius XII betet
– Teil 1 – Kapitel 4 – Ed nau Joah woa grööd moa drei Stonnen alt,…
– Teil 1 – Kapitel 5 – Äan dissem heilije Joah …
– Teil 1 – Kapitel 6 – Eich gäan, eich gäan…Gäaff, wemmde welschd!
– Teil 1 – Kapitel 7 – Mit der Saar-Hymne in einen eigenen Staat
– Teil 1 – Kapitel 8 – Osterferien, Karwoche, Feste feiern, fest arbeiten
– Teil 1 – Kapitel 9 – „ Nau komm lejwe Mäj un maach ….“
– Teil 1 – Kapitel 10 – Lebacher Schulleben
– Teil 1 – Kapitel 11 – Die Tage der Prüfung
– Teil 1 – Kapitel 12 – Un dann noch ed Mündlich….
– Teil 1 – Kapitel 13 – Dej Zeit vier der gruuß Foahd
– Teil 1 – Kapitel 14 – Dej ledschd Erledigungen

Teil 2 – Auf großer Fahrt – als Pilger mit dem Rad nach Rom!
– Teil 2 – Kapitel 1 – Zwischen Klosets und Spülsteinen…
– Teil 2 – Kapitel 2 – Mir stejhn vier´m Tor zum Süden
– Teil 2 – Kapitel 3 – Durch die Alpilles dem Meer entgegen
– Teil 2 – Kapitel 4 – Durch die Bouches du Rhône an die Côte Bleue
– Teil 2 – Kapitel 5 – Von Côte Bleu zur Côte Azur
– Teil 2 – Kapitel 6 – Vers Marseille, die französische Riviera entlang.
– Teil 2 – Kapitel 7 – Zwischen Toulon und Nizza
– Teil 2 – Kapitel 8 – Le long de la Côte – la Vie en Rose
– Teil 2 – Kapitel 9 – Vom Massif des Maures zum Esterel
– Teil 2 – Kapitel 10 – Durch die Traumstädte der Côte zur Grenze
– Teil 2 – Kapitel 11 – Auch wir in „Arkadien“: Roma Aeterna, wir kommen!
– Teil 2 – Kapitel 12 – An der Riviera di Levante nach Pisa
– Teil 2 – Kapitel 13 – Ein Abend unterm Schiefen Turm
– Teil 2 – Kapitel 14 – Pisa – Roma 360 km, ungeduldig das Ziel im Auge
– Teil 2 – Kapitel 15 – Waschtag in der Maremma
– Teil 2 – Kapitel 16 – Der Via Appia entgegen, erster Tagesteil
– Teil 2 – Kapitel 17 – Am MARE TIRRENO entlang auf Rom zu

Teil 3 – Ziel erreicht: Rom!
– Teil 3 – Kapitel 1 – Wir grüßen ROMA
– Teil 3 – Kapitel 2 – Mit Petrus wandeln wir zu Fuß durch seine Stadt
– Teil 3 – Kapitel 3 – Unter dem päpstlichen Segen
– Teil 3 – Kapitel 4 – Auf Irrwegen: Via Campo San Giorgio nach Santa Maria Maggiore
– Teil 3 – Kapitel 5 – Arrivederci Roma: Unser letzter Tag in San Pietros Stadt

Teil 4 – Intermezzo in Castel Gandolfo – und ein langer Heimweg
– Teil 4 – Kapitel 1 – Glückliche Zeit im Paradies auf Castel Gandolfo
– Teil 4 – Kapitel 2 – Ungetrübtes Ferienglück, für wie lange?
– Teil 4 – Kapitel 3 – Zu Fuß zur Sommerresidenz des Papstes
– Teil 4 – Kapitel 4 – Wir nehmen Abschied und starten die Rückfahrt

Teil 5 – Die Heimreise
– Teil 5 – Kapitel 1 – Von Montalto wieder auf Pisa zu
– Teil 5 – Kapitel 2 – Der Apennin, neues Land, neues Glück!
– Teil 5 – Kapitel 3 – Unsere Tour wird zum Giro …
– Teil 5 – Kapitel 4 – Den Osthang entlang und über den Po
– Teil 5 – Kapitel 5 – Mailand in der Nacht
– Teil 5 – Kapitel 6 – Hinter Mailand strahlen die Alpen
– Teil 5 – Kapitel 7 – Die Schreckensnacht von Bellinzona
– Teil 5 – Kapitel 8 – Der Aufstieg zum San Gottardo
– Teil 5 – Kapitel 9 – Quer durch die schöne, saubere deutsche Schweiz
– Teil 5 – Kapitel 10 – Über den Schweizer Jura zum rheinischen Dreiländereck
– Teil 5 – Kapitel 11 – Letzte Etappe: Straßburg – Brotdorf

Teil 6 – Epilog – Wieder zu Hause
– Teil 6 – Kapitel 1 – „Kommt all gucken, de Romfoahrer säan nommoa döö!“
– Teil 6 – Kapitel 2 – Nachklang