
Freud und Leid beim Badengehn
Frääd und Lääd beim Böödegejhn
Der Juli, gleichnamig benannt mit dem von Julius Cäsar eingeleiteten Julianischen Kalender, ist nicht nur der Monat der Kirchweihen und anderer Dorf- und Stadtfeste, nicht nur der Honigmond der Hochzeiten; er ist die auch Zeit der Sommerfrische und Badefreuden. Meine älteste Erinnerung daran vollzog sich jedoch keineswegs freudvoll.
Meine erste Gegegnung mit dem Element Wasser
Die Hitzestrahlen der Julisonne an einem arbeitsfreien Sonntag des Jahres 1934 müssen meinen Vater wohl bewegt haben, mit seinem gerade drei Jahre alt gewordenen Erstgeborenen das Merziger Schwimmbad aufzusuchen. Die Schwimmleidenschaft meines Vaters war für einen einfachen Mann aus dem Dorf zur damaligen Zeit etwas Ungewöhnliches. In erster Linie war er ein leidenschaftlicher und ziemlich erfolgreicher Turner; aber seine zweite sportive Begeisterung galt dem Schwimmen und Turmspringen. Die allererste Kindheitserinnerung, die sich in meinem Gedächtnis eingenistet hat, handelt von dieser, seiner Leidenschaft, allerdings für mich auf eine sehr schmerzhafte Weise.
Diese Erinnerung konzentriert sich in einem Bild, in dem mein Vater auf einem ganz hohen Turm steht, wie er auf einmal die Arme ausbreitet, die Beine krümmt, abspringt, durch die Luft segelt und in ein Wasser eintaucht.Den Rest der Geschichte weiß ich nur noch vom Erzählen: Juli 1934; ich war also gerade drei Jahre alt. Mein Vater hatte nie darüber mit mir gesprochen; aber Mutter erzählte mir wiederholt, daß Vater im Schwimmbad zu mir gesagt habe, ich solle ganz brav am Beckenrand sitzen bleiben, bis er gleich wieder zurück sei. Und wie ich ihn aber vom Turm springen sah, da sei ich einfach aufgestanden und auch ins Wasser gesprungen. Ich muß bewußtlos gewesen sein, wie sie mich vom Boden des Schwimmbeckens heraufgeholt hatten.
Baden gehen und schwimmen lernen am Baachemer Schetzel
Dieses bleibende Grunderlebnis scheint in mir weder an der Seele noch am Leib geschadet zu haben. Ich bin daraufhin keineswegs wasserscheu, eher eine Wasserratte geworden.
Schwimmen gelernt habe ich nicht im Merziger Schwimmbad, auch nicht auf Anleitung meines Vaters, der bald in den Krieg musste; das Schwimmen haben wir uns selbst beigebracht, die Jungs aus meiner Grundschulklasse und zwar an zwei entlegenen Stellen des Seffersbaches weit außerhalb des Dorfes. Die erste, das war das von uns selbst wieder neu aufgestaute, schon ziemlich verfallene „Baachemer Schetzel“ an der Wiesengrenze zum nördlichen Nachbarort Bachem. Und die zweite Übungsstätte, das war das noch intakte, aber nicht mehr in Betrieb befindliche Stauwehr an der Schafbrücke im Süden des Ortes, fast schon auf Merziger Gewann gelegen. Es war jedes Mal ein langer Weg, alles zu Fuß, erschwert in der Sommerhitze. Keiner von uns hatte damals schon ein Fahrrad, auch gab es noch kein Auto, das uns dorthin gebracht hätte. Aber um ins kühle Naß zu kommen, war uns kein Weg zu weit.
Die Grundmauern des Baachemer Schetzels waren damals noch an beiden Bachufern vorhanden. Aus dem nahen Wald auf Hoarschd schlugen wir junge Eichestangen, führten sie in die eiserne Fuge des Wehrs ein und dichteten mit Lehm und Rasen ab. Somit konnten wir den Bachstrom etwas bremsen und im gestauten Tümpel mehr Fläche erzielen; groß genug für ein paar Schwimmzüge, tief genug für unsere Kopfsprünge, um den Körper abzukühlen und das Gemüt zu vergnügen.
Das Ende eines solchen vergnügsamen Julinachmittags sollte für mich jedoch wiederum schmerzhaft werden.
Mein Vater war eigentlich immer ziemlich gut zu mir; aber wenn ich etwas Böses gemacht hatte oder etwas, von dem er bloß gemeint hatte, daß es Unrecht wäre, dann hat er den Ledergürtel von seiner blauen Arbeitshose losgemacht und mir kräftig den Hintern versohlt. Meistens habe ich bei Vaters Prügel geweint, ja eher laut geschrieen; nur diesmal hatte ich keinen Mucks von mir gegeben, weil ich ihm damit beweisen wollte, daß ich unschuldig war. Ich kam vom Baden am „Bachemer Schetzel“ nach Hause. Ich gebe zu, an jenem Nachmittag war es schon etwas spät geworden. Vater war schon von der Schicht heimgekehrt und fragte mit drohender Stimme:
„Wou kemmschd dau dann wei her?“
„Ma, vum Bööden um Bachemer Schetzel!“, antwortete ich brav; aber ich merkte an seiner Stimme, daß etwas nicht recht war.
„Un wou häscht dau dann dein Böödbocks geloss?“
Vater hatte also bemerkt, daß ich meine Badehose nicht mehr bei mir hatte. Vater, der frömmste Mann vom Dorf, argwöhnte, wir hätten uns alle völlig nackt ausgezogen und „ebbes Schweinziges“ zusammen getrieben. Dabei hatte ich die Hose nach dem Bade lediglich zum Trocknen auf die Betonmauer des Schetzels gelegt und sie einfach beim Heimgehen vergessen.
Bööde gejn un Forelle fänken off der Schoofbreck
Als dann der Krieg kam, Vater einberufen und Mutter Krankenschwester im Militärlazarett in Merzig wurde, zog ich die Woche über vom einsamen Zollhaus am Waldrand wieder zur Oma in die Hofstraße um, also mitten ins Dorf. Dadurch bot sich wesentlich mehr Gelegenheit für Spielkontakte mit den Gleichaltrigen. Und damit bin ich in zwei völlig verschiedenen Spielkreise geraten. Wenn man die Unterschiedlichkeit ihrer Spielgewohnheiten betrachtet, könnte man die einen die „Klerikalen“ und die andern die „Säkularen“ nennen. Die einen spielten „Mäaßdejnersches“ mit ausgedienten Messbüchern, Kerzenständern und selbstgebastelten Weihrauchfässern. Sie imitierten so den Gottesdienst von Hanni, besonders die Festmessen von hohen Kirschenfesten. Die andern setzten sich mittels Holzsäbeln, Steinschleudern und mit „Stoppeschießen“ mit ihrer Umwelt auseinander.
In dieser Gruppe der Säkularen, mit Leschie, Knubel, Abel Willi, em Braunchin und den Britzbrüdern aus der Grejnstatt lernte der Elf-, Zwölfjährige nicht nur auf dem Schuttplatz mit der Schleuder auf leere Flaschen schießen, er wurde auch im Schleuderschießen auf Spatzen sehr geübt; er traf die flatternden Vögel sogar im Flug.
Von größerem Nutzen sollte sich später herausstellen, dass ich von den Säkularen beim Baden „off der Schoofbreck“ auch das Forellenfangen mit der bloßen Hand lernte. Meine Lehrmeister waren die in dieser Kunst schon erprobten Britzbrüder aus der Grünstatt, mit denen wir auch zum Schwimmen gingen. Die waren in dieser Kunst sehr geübt; sie waren auch – der eine ein, der andere zwei Jahre älter als wir – auch die Chefs der Gruppe.
Jetzt, da wir größer geworden waren, reichte zum Schwimmen der kleine, vor ein paar Jahren selbstgestaute Tümpel am „Bachemer Schetzel“ nicht mehr aus; die „Schafbrücke“, das alte, aber viel größere Wehr auf halber Strecke nach Merzig zu, war dafür bestens geeignet. Der lang gestaute Seffersbach hatte hier eine Breite von etwa sechs, sieben Metern und auch eine beachtliche Tiefe, sodaß wir von der Mauer des Wehres herab gefahrlos Kopfsprünge üben konnten. Oft waren wir in unsere Schwimm- und Sprungaktionen so vertieft, dass wir auskühlten und zu schnattern begannen. Dann sind wir einfach auf die parallel zum Bach verlaufende Provinzialstraße gelaufen, haben uns dort bäuchlings ausgebreitet und von der sonnenerwärmten Teerdecke wieder aufheizen lassen.
Damals war die Provinzialstraße von Merzig über Brotdorf und Bachem ins Waldland hinauf die einzige geteerte Straße bei uns überhaupt. Heute herrscht auf dieser Straße an derselben Stelle ein derartiger Verkehr, dass man zu Fuß schon Gefahr läuft, wenn man sie lediglich überqueren will. Das Forellenfangen, dem wir uns damals –wie gesagt- an der Schafbrücke ebenfalls hingaben, war an keiner anderen Stelle des Seffersbaches so leicht wie hier. Der Druck des aufgestauten Wassers hatte an mehreren Stellen das Fundament des alten Wehres unterhöhlt, sodaß am Boden eine Art Wasserwalze entstand. Und hier standen auch die Forellen mit Vorliebe und ließen sich lustvoll den perlenden Wasserstrudel um Bauch und Schwanz spülen. Dabei waren sie meist so verzückt, – quasi in einer Art Trance -, dass man sich ihnen vorsichtig, in gebückter Haltung unbemerkt nähern, die nach oben gewendeten Hände langsam derart unter ihren Bauch schieben und blitzartig an Kopf und Schwanz zupacken konnte.
Der letzte Sommer des Krieges war wieder ein richtiger Badesommer; aber schon wurde es lebensgefährlich, sich in offenen Gewässern blicken zu lassen.
Nachdem die Alliierten in der Normandie gelandet und auf dem Vormarsch durch Nordfrankreich in Richtung Westwall waren, von da an wurde unser Grenzgebiet mehr und mehr von den tieffliegenden Jagdbombern heimgesucht. Sie tauchten ganz plötzlich auf und schossen auf alles Menschliche, was sich bewegte. Warst du also draußen im Wasser, dann hattest du keine Deckung und konntest auch nicht schnell genug flüchten.
An einem solch sonnigen Sommertag, es war der 13. Juli 1944, da hatten wir auf dem Realgymnasium in Merzig schon nach der zweiten Stunde frei, nicht etwa wegen der aufkommenden Hitze, sondern weil „Voralarm“ gegeben war. Was machen mit den angebrochenen Vormittag? Ins Schwimmbad gehen, war zu gefährlich; also blieben wir von der Obertertia im Schulkeller sitzen, um Karten zu spielen, so lange über die Zeit, dass ich auch den Zug von der Kleinbahn verpasste.
Und das Tragische, das zwischen meinem Schul- und Heimatort geschah, über dieses Ereignis, das ich auf dem Fußweg von Merzig nach Brotdorf aus der Ferne mitbekam, hat Maria Johannes, eine Mitreisende, in der „Brotdorfer Dorfchronik“ (S. 144 f.) mit ergreifender Realität berichtet:
„Es war ein warmer Sommertag, als ich am 13. Juli 1944 mit dem Zug von Dillingen nach Merzig und von dort weiter nach Brotdorf fuhr… Links sahen wir schon die Häuser der Klinkerstraße und rechts die ersten Häuser der Provinzialstraße. Als plötzlich Motorengeheul und Explosionen zu hören waren. Irgendjemand schrie, daß wir von Jabos angegriffen werden. Was dann folgte, kann man nur als Chaos bezeichnen. Der Zug bremste und kam mit schrillem Pfeifen zum Stehen. Die Menschen im Zug fielen übereinander, alle schrien, einige bluteten aus Schußwunden, andere lagen blutüberströmt auf dem Waggonboden…“
Der Jabo-Angriff hatte 20 Menschen das Leben gekostet. Weil ich länger als üblich in der Schule beim Kartespielen blieb und den Zug verpasste, das hatte mir möglicherweise das Leben gerettet.
Ein voyeuristisches Erlebnis beim Baden
Der letzte Sommer im Krieg ging also ohne unsere gewohnten Badefreuden dafür umso tragischer zu Ende. Im Spätherbst ist dann die zweite Evakuierung gekommen, diesmal nicht nach Thüringen, sondern nach Offenhausen in Mittelfranken. Für uns eine schwere Zeit, die erst ihr Ende fand, als der Krieg vorüber war, als Anfang Mai 45 der Amerikaner einrückte und gleich danach ein Sommer folgte, in dem man wieder ungestört baden gehen konnte.
Die Möglichkeiten zum Schwimmen in Offenhausen waren ziemlich bescheiden. Es gab dort auch einen Bach, der normalerweise nicht viel größer ist als unser Seffersbach; das heißt, man kann ihn mit etwas Mühe überspringen. Die Dorfjungen kannten aber weit oberhalb des Ortes eine Stelle, wo sich das Bachbett in Form eines Kolkes tief in den Kalkboden eingeschnitten hatte. So entstand dort in einer mit dichten Laubbäumen besetzten Umlaufschleife einen natürlichen Tümpel, der in der Mitte bis zu zwei Meter tief war, in dem man immerhin sechs bis acht Züge schwimmen konnte.
Doch bevor es nach dem Waffenstillstand wieder zu ungestörten Badfreuden kommen konnte, war für uns Flüchtllinge hier im sogenannten Bergungsgebiet eine arge Not und schwierige Überlebenszeit durchzustehen. Aber dabei kam meiner Familie zugute, dass ich ja Forellen mit der Hand fangen konnte. Denn der Offenhausener Dorfbach hatte nicht nur eine geeignete Badestelle, an manchen quirligen Stellen konnte man auch etliche von diesen Fischen mit den roten Punkten stehen sehen.
Obwohl sich unser neuer Zufluchtsort Offenhausen nannte, bescherte er uns die allerschlimmste Notzeit. Nicht nur, dass die meisten von uns – etwa 70 an der Zahl – wochenlang im Tanzsaal der Dorfwirtschaft („Offen“) hausen mussten, weil die reichen und selbst noch im Krieg gut situierten Bauern uns „Saarfranzosen“ nicht bei sich aufnehmen, uns nichts von ihrer Selbstversorgung abgeben wollten und die ganze saarländische Flüchtlingskolonie als Fremdkörper behandelten. Das blieb so bis zu einem bestimmten Tag im Juli 1945; aber dazu mehr in Teil 3 dieser Juligeschichten.
In der Zwischenzeit hatten wir gelernt, außer dem Bisschen, was es noch auf Lebensmittelkarten zu kaufen gab, in Feld und Flur alles irgendwie Essbares zu organisieren: noch im Spätherbst Buchecker sammeln und wie Aschenputtel die guten von aus den tauben austrennen; auf den Feldern nach liegen gelassenen Kartoffeln und verdorrten Schoten der Stangebohnen suchen, in der Molkerei der Kätl schöne Augen machen für eine Kanne Magermilch… dann im Frühjahr 45 Fröschen mit dem Rechen aus dem Tümpel holen und aus dem Bach Forellen mit der Hand fangen. Das mit den Forellen war besonders notwendig, weil Omas todkranker, krebsverseuchterer Magen nichts anderes mehr als das zarte Fleisch des Fisches und das weiß Kastenbrot der Amerikaner vertrug. Und just beim Forellenfangen hatte mich dann en Sergeant von der amerikanischen Besatzungstruppe ertappt; aber, anstatt es mir zu verbieten, bekam ich den Auftrag, auch den Amis frisch Forellen zu liefern im Tausch mit Konservenbüchsen, Erdnussbutter, Bohnenkaffee, Schokolade und Chewing-Gum.
Und wenn ich nun wieder auf unser Baden im Offenhauser Bach zu sprechen kommen, dann wird am Ende dieser freundliche amerikanischer Sergeant auch eine wichtige Rolle dabei spielen.
Schon beim ersten Mal, als mich Konrad und die andern an diese besonders breite Badestelle mitnahmen, stand für mich fest, dass es mit dem Schwimmen der Jungen noch nicht weit her war. Da hatte sich für mich eine gute Gelegenheit geboten, durch bessere Schwimm- und Kopfsprungleistungen meine Position in der Gruppe zu festigen. An so einem warmen Julinachmittag hatten wir dort ausgiebig gebadet und waren gerade oben auf der hohen Uferkante angelangt, um den Nach-Hause-Weg anzutreten. Plötzlich drehte sich Konrad, der Vordere der Gruppe, um und gab Zeichen zurück, ganz still zu sein:
Unten am Bach, mitten auf einer kleinen begrasten Lichtung war ein Menschenpaar dabei, sich zu begatten. Auf Geheiß von Konrad legten wir uns an der Uferkante bäuchlings ins Gras; so konnten wir von oben herab den ganzen Vorgang gut beobachten, ohne selbst entdeckt zu werden.
Als wir dann wieder den Heimweg aufgenommen hatten, schienen die andern über die Sache recht erheitert, waren davon keineswegs erschüttert oder gar geschockt zu sein. Denn während des ganzen Weges hörten sie nicht auf, darüber zotige Witze zu machen und taten so abgebrüht, als wäre die Sache zwar belustigend, aber doch nichts Neues für sie.
Ich aber war bei der Beobachtung der beiden da unten zwar einerseits sexuell erregt; andererseits jedoch noch lange Zeit danach arg geschockt und auch zutiefst enttäuscht: Geschockt, allein schon dadurch, unfreiwillig Zeuge der höchsten Vereinigung des Menschen im Akt der Liebe geworden zu sein; geschockt zudem noch, weil sich der Akt bei den beiden in einer Art und Stellung vollzog, wie ich es bisher nur bei Tieren, bei den Kühen und Geißen, gesehen hatte, die zu Hause zum Abdecker geführt wurden.
Zudem war ich zutiefst enttäuscht, weil ich beide, Mann und Frau, erkannte:
In dem Mann erkannte ich den farbigen Sergeanten, mit dem ich vor Kurzem den Handel mit den Forellen ausgemacht und der mir noch am Vortag das richtige Pritschen bei dem für uns neuen Spiel beigebracht hatte, dass sie Volleyball genannt hatten. Und die Frau war eine von unseren saarländischen Flüchtlingen, war aus Merzig und hatte dort in einem der ersten Häuser auf dem „Schenner“ (Schindanger) gewohnt. Bei ihr war ich nicht allein deswegen so enttäuscht, daß diese Frau keinerlei Hemmungen zu haben schien, sich einem stockfremden Mann aus einem andern Kontinent und einer anderen Rasse so gänzlich hinzugeben; meine innere Entrüstung betraf vielmehr die Tatsache, daß ich dieselbe Dame noch wenige Wochen davor Arm in Arm mit einem Offizier der deutschen Wehrmacht scharwenzeln gesehen hatte.
In unserer zweiten Juli-Geschichte hatte man an ein paar Stellen auch lesen können, dass für uns Kinder früher das Badengehen nicht immer nur eine reine Freude war. In der nächsten Geschichte, die vom Juli als Erntezeit handelt, kann man darüber noch mehr erfahren.
Unsere Eltern innerhalb der Großfamilie von damals waren als Geißenbauern und Fabrikarbeiter so arm dran, dass es selbstverständlich war, wenn wir Kinder überall mitgeholfen hatten. Und so war es auch eine feste Regel, dass man, wenn man Spielen oder Baden gehen wollte, vorher noch etwas Nützliches hatte machen müssen.
© Rudolaf Engel 2014
De Juli hätt de gleichen Nummen wej de Julianische Kalenner, denn vum Julius Caesar äagelääd gäan äas. Juli, dat äas net nur dä Moand fier de Kermeesen un dej anner Dörref- un Stadtfeschder, dat äas net nur den Hunnischmoand fier de Hochzeiden; ed äas och dej Zeit vun der Sommerfrische und der Frääd um Bööden. Mein älschd Erennerong dörun äas jedoch off kään Oard un Weis fräädvoll zoùgang.
Mein ejschd Begejnong mäad em Elemend Waaser
Dej Hetz vun der Julisonn un ´nem wärdesfreien Sonndisch vum Joahr 1934 muß mei Papp wöll beweschd hun, mäat seim gröd drei Joahr alten Ejschgenuarenen ed Mierzer Schwimmbad offzesejschen. Dej Schwemmleidenschaft vun meim Papp woar fier en ääfache Mann aus em Dörref dömoals ebbes Ungewöhnliches. Äan ejschder Linie woar henn e leidenschaftlichen und ziemlich erfolreichen Turner; awer sein zwäät sportiv Begeischderong hot seim Schwemmen und em Turmsprengen gehiert.
Dej allerejschd Käandhäätserennerong,dej seich äan mei Gedächtnis äasgenischd hot, dej handelt ewen vun disser, seiner Leidenschaft, allerdengs fier meich off en sehr schmerzhaft Weis. Dej Erennerong konzentriert seich äan ´nem Bill, äan demm mei Papp off em ganz hejen Turm stääht, wej henn off äämoal de Ärmen ausbrääd, de Bään kromm mecht, oofsprengt, dörrich de Loft sejelt un äand´ Waaser äataucht.
De Rescht vun der Geschichd wääß eich nur noch vum Verzellen:
Juli 1934; eich woar alsoù grööd drei Joahr alt. Mei Papp hot nie mäat mir driwwer geschwatt, awer mei Mamm hot mir dixer verzellt, dat de Papp äam Schwimmbad zoù mir gesoat heet, eich sollt ganz brav um Beckerand setze bleiwen, bes henn gleich nommoal zereck wär. Un wej eich henn awer vum Turm heed sprenge sejhn, dö sei eich ääfach offgestan und och äand Waaser gesprong. Eich moß bewusstlos gewiarschd säan, wej sei meich vum Böddem vum Schwemmbecken eroffgehöll hotten.
Bööde gejn un schwenmme lieren um Baachemer Schetzel
Diss bleiwend Gronderlebnis scheint mir weder un der Sejl noch um Leiw geschööd ze hun. Eich säan döroffhinn off kääne Fall waaserscheu gäan, ejher en Waaserratt.
Schwemme geliert hun eich äandemm net äam Mierzer Schwimmbad, och net vu meim Papp, denn joo gleich äan de Krejsch gemuschd hot; dat Schwemmen, dat hun mir oas selwer beibrööht, dej Jongen aus meiner Grondschoùlklass un zwoar un zwoù entleejenen Stellen vum Seffersbaach weit außerhalf vum Dörref. Dej ejschd Stell, dat woar dat vun schun zimlich verfall Baachemer Schetzel, vun oas selwer nommoal nau offgestaut, äan der Grenz zoùm nördlchen Nööberort Baachem. Un dej zwäät Übungsstätt, dat woar dat noch intakte Stauwehr un der Schoofbreck äam Süden vum Ort, fascht schun off Mierzer Gewann geleeh.
Ed woar jeed Moal e lange Weeh, alles ze Foaß, erschweert äan der Summerhetz. Käänen vun oas hot dömoals e Fahrrad gehott, ed hot och kään Auto gäan, dat oas döhin brööht heed. Awer, fier äand kejhl Naaß zu kommen, dö woar oas kää Weeh ze weid.
De Grondmauern vum Baachemer Schetzel woaren dömoals noch auf boùde Seiten noch döö. Aus dem negschde Wald off Hoarschd hummir Äächestangen geschlööh, hun sei äan dej Fugen vum Schetzel äageführt un hun mäat Lehm un Wöösem oofgedichd. Dödörrich konnten mir de Strom vum Baach e bessin bremsen un äam gestauten Tempel mejh Oberfläch erzielen; gruuß gnooch für e poar Schwemmzisch, dejf gnooch fier oas Koppspreng, fier oas oofzekejhlen un ed Gemejt ze vergnüjen. Dat Enn vun soù ´nem vergnüchsamen Julinöömeddisch sollt fier meich awer nommoal schmerzhaft gäan.
Mei Papp woar ääjentlich emmer ziemlich goat zoù mir; awer, wenn eich ebbes Bieses gemaach hun oder ebbes, vun demm henn bluuß gemäänt hot, dat ed en Onrecht gewierschd wär, dann hot henn de Ledergüardel loassgemaach vu seiner blöö Schaffbox un hot mir kräfdisch den Henneren versellt. Miaschdens hun eich bei meim Papp seiner Schleeh gekrejsch, jo ejer laud geschrieh; nur dissmoal hot eich kää Mucks vun mir gäan, weil eich him dömäat beweise wollt, dass eich unschuldisch woar.
Eich säan gröd vum Bööden um Baachemer Schetzel haam komm. Eich gäan zoù, un demm Nömeddisch woar ed schun e bessin spääd. De Papp woar schun vun der Schicht dahaam un hot meich mäat drohender Stäamm gefrööt:
„Woù kemmschd dau dann wei her?“
„Ma, vum Bööden um Bachemer Schetzel!“, hun eich brav ze Antwuart gäan; awer eich hu gemerkt, dat ebbes net recht woar.
„Un wou häscht dau dann dein Böödbocks geloss?“
De Papp hot gemerkt, dat eich mein Böödbox net mej debei hot. Oase Papp, de frimmschde Mann vum Dörref hott mäat bieser Mien gemäänt, mir heeden oas all puddelnackisch ausgezuuh un „ebbes Schweinzijes“ zesummen getriff. Döbei hot eich nur de Box nöm Bööden zum Drecknen off de Betonmauer vum Schetzel gelööht un se ääfach beim Haamgejhn vergäaß.
Bööde gejn un Forelle fänken off der Schoofbreck
Wej dann de Krijsch komm äas, de Papp bei de Soldaten un de Mamm als Krankeschweschder äam Milidärlazarett vu Mierzisch, dö säan eich de Woch iwer vum einsamen Zollhaus äam Waldrand nommoa bei de Oma äan de Hoofstroaß gezuuh, alsoù mäatten äan ´d Dörref. Dödörrisch hot seich mej Gelejenhäät gebuad, fier Kontakte un fier ze spillen mäat de Gleichaltrijen. Un dömäat säan eich äan zwejn verschiedene Krääse geroat. Wemma dej Onnerschiedlichkäät vun denne hieren Spillgewohnheiten betracht, dann kennt ma dej ääanen dej „Klerikalen“ un dej anneren dej „Säkularen“ nennen. Dej äänen hun „Mäaßdejnersches“ gespillt mäat ausgedejnden Mäaßbejschern, Kiarzestännern un selwer gebastelden Weihraachfässern. Sei hun soù de Gottesdejnschd vum Hanni imitiert, besonnerschd dej Feschdmäassen vun hejen Kärrischfeschden. Dej anneren hun seich mäat Holzsebeln, Schleudern un dörrich „Stoppeschießen“ mäat hierer Emweld ausenanner gesatt.
Äan der Grupp vun de Säkularen, mäat Leschie, Knubel, Abel Willi, em Braunchin un de Britzbrejdern hot den Elf- Zwöllefjährjen gelierd, net nur off ´m Schuttplatz mäad der Schleuder off leer Flaschen ze schießen; henn äas och äam Schleuderschießen off Spatzen ziemlich geübt gäan; henn hot sugoar dej flatternde Viel äam Flejhen getroaf.
Vun grießerem Notzen sollt seich speeder erausstellen, dat eich vun de Säkularen beim Bööden off der Schoofbreck och ed Forellefänken mäat der Hand geliert hun. Mein Liehrmääschdern, dat woaren dej Britzbrejder aus der Grejnstatt, mäat dennen mir och schwemme gang säan. Dej woaren äan der Konschd sehr geübt; se woaren – denn äänen ään, denn annern zwää Joahr äller wej mir – och de Chefs vun der Grupp.
Ewei, woù mir grießer gäan woaren, hot fier ze schwimmen dä kläänen Tempel um Baachemer Schetzel nemmej gelangt; de Schoofbreck, dat alt, awer vill grießer Wehr off halwer Streck nöö Mierzisch, dat woar döfier beschdens geeichned. Dä lang gestauten Sefferbaach hot hei en Brääd vun etwa sechs, siewen Metern un och en beachtlich Dejf. Soù konnten mir vun der Mauer vum Wehr eronner ohne Gefoahr Käpperden üben. Dix woaren mir äan oase Schwemm- und Sprengaktionen soù vertieft, dat ma ausgekejhlt säan un ugefang hun ze schnaddern. Dann säan mir ääfach off dej newen em Baach herlaafend Provinzialstroaß gelaaf, hun oas mäat ´m Bauch ausgebrääd un vun der sonngemwärmden Teerdeck nommoal offheize geloss.
Dömoals woar de Provinzialstroaß vu Mierzisch iwer Brottroff un Baachem eroff äan ´d Waldland dej äänzischd Stroaß bei oaß, dej geteert woar. Haut herrscht off der Stroaß un der selwischd Stell en deroartjen Verkehr, dat ma schun ze Foaß Gefahr lääft, wemma se nur iwerquere well.
Dat Forellefänken, demm mir oas dömoals – wej schu gesoat – off der Schoofbreck ewefalls hingäan hun, woar un kääner Stell vum Seffersbaach soù leicht wej hei. Denn Druck vum offgestaute Waasser hot un mehrere Stellen ed Fundament vum alte Wehr soù ennerhöhlt, dat um Böddem en Oart Waasserwalz enstann woar. Un hei hun och de Forellen mäat Vorlieb gestann un hun seich voller Loschd de perlende Strudel vum Waasser em de Bauch un de Schwanz spejlen geloss. Dödebei woaren sei määschdens so verzückt, – soùzesoan äan ´ner Oart Trance -, dat ma seich hinnen, vorsischdisch gebeckt, onbemerkt nehern konnt, de Hänn nöö uawen gedreht langsam soù enner hieren Bauch brööht un dann bletzoardisch zoùpacke konnt.
De letschde Summer vum Krejsch woar och e rischdije Summer zum Bööden; awert ed woar schun lewensgefährlich gäan, seich äan offenen Gewässern blecken ze lossen.
Nöödemm de Alliierten äan der Normandie gelannd säan un off ´m Viermarsch dörrich Nordfrankreich äan Richtung Westwall woaren, vun döö un äas oas Grenzgebiet mej un mej vun den dejfflejenden Jagdbombern haamgesejschd. Sei säan ganz plötzlich offgetauchd und hun off alles Menschliche geschoss dat seich bewechd hot. Woarschd dau alsooù debaußem äam Waasser, dann un hottschd kään Deckung gehot un hoschd ich net sier genooch flüchden kennen.
Un soù ´nem sonnijen Summerdaach, ed woar den 13. Juli 1944, dö hotten mir off ´m Realgymnasium äa Mierzisch schun nöö der zwäät Stonn frei, net etwa wejen der offkommend Hetz, sondern weil ed „Voralarm“ gäan hot. Wat maachen mäat dem ugegoochene Viermeddich? Äan ´d Schwimmbad gejhn, woar zoù gefählrich; alsoù säan mir vun der Obertertia äam Schoùlkellersetze bliff, fier Koarten ze spillen, soù lang iwwer de Zeit, dat eich och den Zuch vun der Kleinbahn verpasst hot. Und at Tragische, dat dann zweschen meim Schoúl- un meim Heimatort passiert äas, iwer dar Ereichnis, dat eich off ´m Weeh ze foaß vu Mierzisch nöö Brottroff aus der Fern mäatgrejt hot, döriwer hot Maria Johannes, dej mäatgerääst woar, äan der „Brotdorfer Dorfchronik“ (S. 144f) mäat ergreifender Realität bericht:
Es war ein warmer Sommertag, als ich am 13. Juli 1944 mit dem Zug von Dillingen nach Merzig und von dort weiter nach Brotdorf fuhr… Links sahen wir schon die Häuser der Klinkerstraße und rechts die ersten Häuser der Provinzialstraße. Als plötzlich Motorengeheul und Explosionen zu hören waren. Irgendjemand schrie, daß wir von Jabos angegriffen werden. Was dann folgte, kann man nur als Chaos bezeichnen. Der Zug bremste und kam mit schrillem Pfeifen zum Stehen. Die Menschen im Zug fielen übereinander, alle schrien, einige bluteten aus Schußwunden, andere lagen blutüberströmt auf dem Waggonboden…“
Dä Jaboangriff hot 20 Menschen ed Leewen gekoschd. Weil eich länger wej üblich äan der Schoúl bliff beim Koartespillen bliff säan und den Zuch verpasst hun, dat hot mir mejlicherweis ed Lewen gerett.
En voyeuristisches Erlevnis beim Bööden
Dä ledschde Summer äam Krejsch äas alsoù ohne oas gewinnt Frääd um Bööden, dödefier awer emsoù tragischer ze Enn gang. Äam Speedherbschd äas dann dej zwäät Evakuierung komm, dissmoal net nö Thüringen, sonern nö Offenhausen äan Meddelfranken. Fier oas en schwer Zeit, dej ejschd hier Enn gefonn hot, wej de Krejsch vorbei woar, wej Ufang Mai 45 den Amerikaner äagereckt woar un gleich dönöh e Summer gefollischd äas, äan demm ma nomoal ongestiert bööde gejhn konnt.
Dej Möchlichkäät ze Schwemmen äan Offenhausen woar ziemlich bescheiden. Ed hot döö och en Baach gäan, denn normalerweis net vill grießer woar wej oase Seffersbaach; dat hääschd, ma konnt ´n mäat e besselche Mejh iwersprengen. Dej Dörrefjongen hotten awer iawerhalf vum Ort en Stell kannt, woù seich ed Baachbett äan Form vun ´nem Kolk dejf äan de Kalkböddem äageschnitt hot. Soù woar döö äan ääner, mäat dichten Bäämen besetzden Emlaafschleif en nadierlichen Tömpel entstann, denn äan der Metten bes zoù zwää Meter dejf woar, äan demm ma emmerhin sechs bes aacht Zisch schwemme konnt.
Doch eh ma nö ´m Waffestillstand nomoal zoù ´ner ongestiert Frääd um Bööde komme konnt, woar fier oas Flüchtlinge hei äam soùgenanten Bergungsgebiet en ärrisch Noùt un en schwierisch Iwerleewenszeit dörrichzestejhn.
Awer döbei äas meiner Famillisch zegoat komm, dat eich joo Forelle mäat der Hand fänke konnt. Weil nämlich den Offenhauserner Dörrefbaach net nur en goat Stell fier ze Bööden hot, un manch quirlije Stellen konnt ma etliche vun denne Feschen mäat denne ruude Ponkten stejhn sejn.
Obwöll seich oase nauen Zoùfluchtsort Offenhausen nennt, hot denn oas de allerschläamschd Noùtzeit bescheerd. Net nur, dat dej määschden vun oas –etwa 70 un der Zahl – wochelang äam Danzsaal vun der Dörrefwirtschaft hun („Offen“) hausen missen, weil dej reichen un sugoar noch äam Krejsch goat situierte Bauern oas „Saarfranzosen“ net bei seich offhöllen, oas net vun hierer Selbstversorgung hun offgäan wollten un dej ganz saarlännisch Flüchtlingskolonie als en Frimmkörper behandelt hun. Dat äas soù bliff bes zoú ääm bestemmden Daach äam Juli 1945; awer dödezoù mej äam dräatten Dääl vun de Juligeschichden.
Äan der Zweschenzeit hun mir gelierd, außer demm Besselchin, wat ed noch off Lebensmittelkoarten ze kääfe gäan hot, off de Steckern un off de Fluren alles,wat irjendwej ze äaßen woar, fier Oas ze organisiern: noch äam Speedherbschd Buchecker sammeln un wej ed Aschenputtel dej goaden vun den daawen eraustrennen; off de Steckern noch leihen, gelossenen Krombern un dej verduarten Schoten vun der Stangeboùnen sejchen, äan der Molkerei em Kätl schejn Aa maachen fier en Kann Magermellich…dann äam Frejjoahr 45 Freeschen mäat em Reechen aus em Tömpel höllen un aus em Baach Forelle mäat der Hand fänken.
Dat mäat de Forellen, dat woar besonnerschd nejdisch, weil den duudkranke, krebsverseuchde Mööen vun der Oma neischd anneres mejh vedröh hot wej ed Flääsch vum Fesch un dat schnejweiß Kaschdebroút vun den Amerikanern. Un grööd beim Forellefänken, döö hot meich en Sergeant vun der amerikanisch Besatzongsdrupp erweschd; awer, anstatt dat henn ed mir deed verbejden, hun eich den och Offtraach grejt, den Amis fresch Forellen ze liwwern äam Tausch mäat Konservebecksen, Erdnoßbotter, Boùhnekaffe, Schoklad un Chewing-Gum.
Un wenn eich ewei nommoa off oas Bööden äam Offenhausener Baach ze schwätze kommen, dann däät ewen dissen amerikanischen Sergeant och en wischdisch Roll döbei spillen.
Schun beim ejschde Moal, wej Konrad un dej anneren meich und iss besonnerschd Böödstell mäatgehöll hun, hot fier meich feschdgestann, date d mäat em Schwemmen bei de Jongen net vu weit her woar. Dö hot seich fier meich en goad Gelejenhääd gebuart, mäat meine besseren Leischdongen äam Schwemmen un äam Koppsprengen mein Position äan der Grupp ze feschdejen. Un soù ´nem wärmen Julinöömeddisch hottem mir döö ausgiebisch gebööd un woaren gröd uawen off der hejsch Uferkant debei, fier haam ze gejhn. Plötzlich dreht seich de Konrad, de Vierschden vun der Grupp, remm un gefft oas Zäächen zereck, ganz stell ze saän:
Ennen um Baach, mäadden off ´ner klään Lichtung woar e Menschepoar gröd debei, seich ze begatten.
Off Gehääß vum Konrad hun mir oas off dej Uferkant gelööht, mäam Bauch äand Gras; so konnten mir vun uawen eronnen de ganze Viergang goad beobachden, ohne dat mir endeckt gäan säan. Wej mir nommoa den Haamweeh offgehöll hun, woaren dej annern iwer dej Saach ziemlich erheiterd, sei woaren dödevun iwerhaapt net erschütterd oder goar geschockt. Denn, ennerweehs hun sei net offgehiert, döriwwer Witze ze maachen un hun soù oowgebrejht gedoan, als wär dej Saach schu beluschdijend, awer doch neischd Naues fier sei.
Eich awer woar bei der Beobachdung vun denne zwääj Menschen zwoar äänerseids sexuall ereeschd, annererseits jedoch noch lang Zeit denöö ärrisch geschockt un och dejf enttäuschd: Geschockt allään schun döödörrich, dat eich onfreiwellisch Zeuge vun der heegschd Vereinigung vun de Menschen äam Akt der Liebe gäan säan; geschockt zoùdem noch, weil seich ewen den Akt bei denne bääden äan ´ner Oart und Stellung vollzuuh hot, wej eich ed besher nur bei den Dejeren, bei de Kejhen un de Gääßen gesejhn hot, dej dahaam zum Oofdecker gefoahr gäan säan.
Zoù dem woar eich bes off de Böddem enttäuschd, weil eich alle bääd, de Mann und dej Fraa, erkannt hun: Äan dem Mann hun eich de färwijen Sergeanten erkannt, mäat dem eich vier Körzem den Handel mäat de Forellen ausgemaach, un denn mir noch um Daach devier ed rischdisch Pretschen bei dem fier oas naue Spill beibrööht hott, dat sei Volleyball genannt hun.
Un dej Fraa woar ään vun oasen saarlännischen Flüchtlingen, sei woar aus Mierzisch un hott döö äan ääm vun dennen ejschden Heisern off ´m Schenner gewunnt. Bei hier woar eich net allään deswejen soù enttäuschd, dat diss Fraa goar kään Hemmungen hot, seich ´nem stockfrimme Mann aus ´nem anneren Kontinent un vun ´ner anneren Rass soù gänzlich hinzegäan; mein Enttäuschung, loo äänewenzisch, hot vill mejh dej Tatsaach betroaf, dat eich dejselwischd Dame noch e poar Wochen devier Ärm äan Ärm mäat ´nem Offizier vun der deitschen Wehrmacht scharwenzeln gesejhn hott.
Äan oaser zwäät Juli-Geschicht´ hätt ma un e poar Stellen och lese kennen, dat fier oas Käanner frejher ed Böödegejhn net emmer nur en pur Frääd woar. Äan der neegschd Geschicht, dej vum Juli als Erntezeit handelt, kamma döriwer noch mej erfoahren.
Oas Eltern äan der Gruußfamillisch von dömoals woaren als Gääßebauern un Fabrekarbeiter soù ärm drun, dat ed verständlich woar, wenn mir Käanner iwwerall mäatgeholf hun. Un soù woar ed och en feschd Rejel, dat ma, wemma Spillen oder Bööden gejhn wollt, vierher noch ebbes Nötzliches hotte maache missen.
© Rudolf Engel 2014
Meine erste Gegegnung mit dem Element Wasser
Die Hitzestrahlen der Julisonne an einem arbeitsfreien Sonntag des Jahres 1934 müssen meinen Vater wohl bewegt haben, mit seinem gerade drei Jahre alt gewordenen Erstgeborenen das Merziger Schwimmbad aufzusuchen. Die Schwimmleidenschaft meines Vaters war für einen einfachen Mann aus dem Dorf zur damaligen Zeit etwas Ungewöhnliches. In erster Linie war er ein leidenschaftlicher und ziemlich erfolgreicher Turner; aber seine zweite sportive Begeisterung galt dem Schwimmen und Turmspringen. Die allererste Kindheitserinnerung, die sich in meinem Gedächtnis eingenistet hat, handelt von dieser, seiner Leidenschaft, allerdings für mich auf eine sehr schmerzhafte Weise.
Diese Erinnerung konzentriert sich in einem Bild, in dem mein Vater auf einem ganz hohen Turm steht, wie er auf einmal die Arme ausbreitet, die Beine krümmt, abspringt, durch die Luft segelt und in ein Wasser eintaucht.Den Rest der Geschichte weiß ich nur noch vom Erzählen: Juli 1934; ich war also gerade drei Jahre alt. Mein Vater hatte nie darüber mit mir gesprochen; aber Mutter erzählte mir wiederholt, daß Vater im Schwimmbad zu mir gesagt habe, ich solle ganz brav am Beckenrand sitzen bleiben, bis er gleich wieder zurück sei. Und wie ich ihn aber vom Turm springen sah, da sei ich einfach aufgestanden und auch ins Wasser gesprungen. Ich muß bewußtlos gewesen sein, wie sie mich vom Boden des Schwimmbeckens heraufgeholt hatten.
Baden gehen und schwimmen lernen am Baachemer Schetzel
Dieses bleibende Grunderlebnis scheint in mir weder an der Seele noch am Leib geschadet zu haben. Ich bin daraufhin keineswegs wasserscheu, eher eine Wasserratte geworden.
Schwimmen gelernt habe ich nicht im Merziger Schwimmbad, auch nicht auf Anleitung meines Vaters, der bald in den Krieg musste; das Schwimmen haben wir uns selbst beigebracht, die Jungs aus meiner Grundschulklasse und zwar an zwei entlegenen Stellen des Seffersbaches weit außerhalb des Dorfes. Die erste, das war das von uns selbst wieder neu aufgestaute, schon ziemlich verfallene „Baachemer Schetzel“ an der Wiesengrenze zum nördlichen Nachbarort Bachem. Und die zweite Übungsstätte, das war das noch intakte, aber nicht mehr in Betrieb befindliche Stauwehr an der Schafbrücke im Süden des Ortes, fast schon auf Merziger Gewann gelegen. Es war jedes Mal ein langer Weg, alles zu Fuß, erschwert in der Sommerhitze. Keiner von uns hatte damals schon ein Fahrrad, auch gab es noch kein Auto, das uns dorthin gebracht hätte. Aber um ins kühle Naß zu kommen, war uns kein Weg zu weit.
Die Grundmauern des Baachemer Schetzels waren damals noch an beiden Bachufern vorhanden. Aus dem nahen Wald auf Hoarschd schlugen wir junge Eichestangen, führten sie in die eiserne Fuge des Wehrs ein und dichteten mit Lehm und Rasen ab. Somit konnten wir den Bachstrom etwas bremsen und im gestauten Tümpel mehr Fläche erzielen; groß genug für ein paar Schwimmzüge, tief genug für unsere Kopfsprünge, um den Körper abzukühlen und das Gemüt zu vergnügen.
Das Ende eines solchen vergnügsamen Julinachmittags sollte für mich jedoch wiederum schmerzhaft werden.
Mein Vater war eigentlich immer ziemlich gut zu mir; aber wenn ich etwas Böses gemacht hatte oder etwas, von dem er bloß gemeint hatte, daß es Unrecht wäre, dann hat er den Ledergürtel von seiner blauen Arbeitshose losgemacht und mir kräftig den Hintern versohlt. Meistens habe ich bei Vaters Prügel geweint, ja eher laut geschrieen; nur diesmal hatte ich keinen Mucks von mir gegeben, weil ich ihm damit beweisen wollte, daß ich unschuldig war. Ich kam vom Baden am „Bachemer Schetzel“ nach Hause. Ich gebe zu, an jenem Nachmittag war es schon etwas spät geworden. Vater war schon von der Schicht heimgekehrt und fragte mit drohender Stimme:
„Wou kemmschd dau dann wei her?“
„Ma, vum Bööden um Bachemer Schetzel!“, antwortete ich brav; aber ich merkte an seiner Stimme, daß etwas nicht recht war.
„Un wou häscht dau dann dein Böödbocks geloss?“
Vater hatte also bemerkt, daß ich meine Badehose nicht mehr bei mir hatte. Vater, der frömmste Mann vom Dorf, argwöhnte, wir hätten uns alle völlig nackt ausgezogen und „ebbes Schweinziges“ zusammen getrieben. Dabei hatte ich die Hose nach dem Bade lediglich zum Trocknen auf die Betonmauer des Schetzels gelegt und sie einfach beim Heimgehen vergessen.
Bööde gejn un Forelle fänken off der Schoofbreck
Als dann der Krieg kam, Vater einberufen und Mutter Krankenschwester im Militärlazarett in Merzig wurde, zog ich die Woche über vom einsamen Zollhaus am Waldrand wieder zur Oma in die Hofstraße um, also mitten ins Dorf. Dadurch bot sich wesentlich mehr Gelegenheit für Spielkontakte mit den Gleichaltrigen. Und damit bin ich in zwei völlig verschiedenen Spielkreise geraten. Wenn man die Unterschiedlichkeit ihrer Spielgewohnheiten betrachtet, könnte man die einen die „Klerikalen“ und die andern die „Säkularen“ nennen. Die einen spielten „Mäaßdejnersches“ mit ausgedienten Messbüchern, Kerzenständern und selbstgebastelten Weihrauchfässern. Sie imitierten so den Gottesdienst von Hanni, besonders die Festmessen von hohen Kirschenfesten. Die andern setzten sich mittels Holzsäbeln, Steinschleudern und mit „Stoppeschießen“ mit ihrer Umwelt auseinander.
In dieser Gruppe der Säkularen, mit Leschie, Knubel, Abel Willi, em Braunchin und den Britzbrüdern aus der Grejnstatt lernte der Elf-, Zwölfjährige nicht nur auf dem Schuttplatz mit der Schleuder auf leere Flaschen schießen, er wurde auch im Schleuderschießen auf Spatzen sehr geübt; er traf die flatternden Vögel sogar im Flug.
Von größerem Nutzen sollte sich später herausstellen, dass ich von den Säkularen beim Baden „off der Schoofbreck“ auch das Forellenfangen mit der bloßen Hand lernte. Meine Lehrmeister waren die in dieser Kunst schon erprobten Britzbrüder aus der Grünstatt, mit denen wir auch zum Schwimmen gingen. Die waren in dieser Kunst sehr geübt; sie waren auch – der eine ein, der andere zwei Jahre älter als wir – auch die Chefs der Gruppe.
Jetzt, da wir größer geworden waren, reichte zum Schwimmen der kleine, vor ein paar Jahren selbstgestaute Tümpel am „Bachemer Schetzel“ nicht mehr aus; die „Schafbrücke“, das alte, aber viel größere Wehr auf halber Strecke nach Merzig zu, war dafür bestens geeignet. Der lang gestaute Seffersbach hatte hier eine Breite von etwa sechs, sieben Metern und auch eine beachtliche Tiefe, sodaß wir von der Mauer des Wehres herab gefahrlos Kopfsprünge üben konnten. Oft waren wir in unsere Schwimm- und Sprungaktionen so vertieft, dass wir auskühlten und zu schnattern begannen. Dann sind wir einfach auf die parallel zum Bach verlaufende Provinzialstraße gelaufen, haben uns dort bäuchlings ausgebreitet und von der sonnenerwärmten Teerdecke wieder aufheizen lassen.
Damals war die Provinzialstraße von Merzig über Brotdorf und Bachem ins Waldland hinauf die einzige geteerte Straße bei uns überhaupt. Heute herrscht auf dieser Straße an derselben Stelle ein derartiger Verkehr, dass man zu Fuß schon Gefahr läuft, wenn man sie lediglich überqueren will. Das Forellenfangen, dem wir uns damals –wie gesagt- an der Schafbrücke ebenfalls hingaben, war an keiner anderen Stelle des Seffersbaches so leicht wie hier. Der Druck des aufgestauten Wassers hatte an mehreren Stellen das Fundament des alten Wehres unterhöhlt, sodaß am Boden eine Art Wasserwalze entstand. Und hier standen auch die Forellen mit Vorliebe und ließen sich lustvoll den perlenden Wasserstrudel um Bauch und Schwanz spülen. Dabei waren sie meist so verzückt, – quasi in einer Art Trance -, dass man sich ihnen vorsichtig, in gebückter Haltung unbemerkt nähern, die nach oben gewendeten Hände langsam derart unter ihren Bauch schieben und blitzartig an Kopf und Schwanz zupacken konnte.
Der letzte Sommer des Krieges war wieder ein richtiger Badesommer; aber schon wurde es lebensgefährlich, sich in offenen Gewässern blicken zu lassen.
Nachdem die Alliierten in der Normandie gelandet und auf dem Vormarsch durch Nordfrankreich in Richtung Westwall waren, von da an wurde unser Grenzgebiet mehr und mehr von den tieffliegenden Jagdbombern heimgesucht. Sie tauchten ganz plötzlich auf und schossen auf alles Menschliche, was sich bewegte. Warst du also draußen im Wasser, dann hattest du keine Deckung und konntest auch nicht schnell genug flüchten.
An einem solch sonnigen Sommertag, es war der 13. Juli 1944, da hatten wir auf dem Realgymnasium in Merzig schon nach der zweiten Stunde frei, nicht etwa wegen der aufkommenden Hitze, sondern weil „Voralarm“ gegeben war. Was machen mit den angebrochenen Vormittag? Ins Schwimmbad gehen, war zu gefährlich; also blieben wir von der Obertertia im Schulkeller sitzen, um Karten zu spielen, so lange über die Zeit, dass ich auch den Zug von der Kleinbahn verpasste.
Und das Tragische, das zwischen meinem Schul- und Heimatort geschah, über dieses Ereignis, das ich auf dem Fußweg von Merzig nach Brotdorf aus der Ferne mitbekam, hat Maria Johannes, eine Mitreisende, in der „Brotdorfer Dorfchronik“ (S. 144 f.) mit ergreifender Realität berichtet:
„Es war ein warmer Sommertag, als ich am 13. Juli 1944 mit dem Zug von Dillingen nach Merzig und von dort weiter nach Brotdorf fuhr… Links sahen wir schon die Häuser der Klinkerstraße und rechts die ersten Häuser der Provinzialstraße. Als plötzlich Motorengeheul und Explosionen zu hören waren. Irgendjemand schrie, daß wir von Jabos angegriffen werden. Was dann folgte, kann man nur als Chaos bezeichnen. Der Zug bremste und kam mit schrillem Pfeifen zum Stehen. Die Menschen im Zug fielen übereinander, alle schrien, einige bluteten aus Schußwunden, andere lagen blutüberströmt auf dem Waggonboden…“
Der Jabo-Angriff hatte 20 Menschen das Leben gekostet. Weil ich länger als üblich in der Schule beim Kartespielen blieb und den Zug verpasste, das hatte mir möglicherweise das Leben gerettet.
Ein voyeuristisches Erlebnis beim Baden
Der letzte Sommer im Krieg ging also ohne unsere gewohnten Badefreuden dafür umso tragischer zu Ende. Im Spätherbst ist dann die zweite Evakuierung gekommen, diesmal nicht nach Thüringen, sondern nach Offenhausen in Mittelfranken. Für uns eine schwere Zeit, die erst ihr Ende fand, als der Krieg vorüber war, als Anfang Mai 45 der Amerikaner einrückte und gleich danach ein Sommer folgte, in dem man wieder ungestört baden gehen konnte.
Die Möglichkeiten zum Schwimmen in Offenhausen waren ziemlich bescheiden. Es gab dort auch einen Bach, der normalerweise nicht viel größer ist als unser Seffersbach; das heißt, man kann ihn mit etwas Mühe überspringen. Die Dorfjungen kannten aber weit oberhalb des Ortes eine Stelle, wo sich das Bachbett in Form eines Kolkes tief in den Kalkboden eingeschnitten hatte. So entstand dort in einer mit dichten Laubbäumen besetzten Umlaufschleife einen natürlichen Tümpel, der in der Mitte bis zu zwei Meter tief war, in dem man immerhin sechs bis acht Züge schwimmen konnte.
Doch bevor es nach dem Waffenstillstand wieder zu ungestörten Badfreuden kommen konnte, war für uns Flüchtllinge hier im sogenannten Bergungsgebiet eine arge Not und schwierige Überlebenszeit durchzustehen. Aber dabei kam meiner Familie zugute, dass ich ja Forellen mit der Hand fangen konnte. Denn der Offenhausener Dorfbach hatte nicht nur eine geeignete Badestelle, an manchen quirligen Stellen konnte man auch etliche von diesen Fischen mit den roten Punkten stehen sehen.
Obwohl sich unser neuer Zufluchtsort Offenhausen nannte, bescherte er uns die allerschlimmste Notzeit. Nicht nur, dass die meisten von uns – etwa 70 an der Zahl – wochenlang im Tanzsaal der Dorfwirtschaft („Offen“) hausen mussten, weil die reichen und selbst noch im Krieg gut situierten Bauern uns „Saarfranzosen“ nicht bei sich aufnehmen, uns nichts von ihrer Selbstversorgung abgeben wollten und die ganze saarländische Flüchtlingskolonie als Fremdkörper behandelten. Das blieb so bis zu einem bestimmten Tag im Juli 1945; aber dazu mehr in Teil 3 dieser Juligeschichten.
In der Zwischenzeit hatten wir gelernt, außer dem Bisschen, was es noch auf Lebensmittelkarten zu kaufen gab, in Feld und Flur alles irgendwie Essbares zu organisieren: noch im Spätherbst Buchecker sammeln und wie Aschenputtel die guten von aus den tauben austrennen; auf den Feldern nach liegen gelassenen Kartoffeln und verdorrten Schoten der Stangebohnen suchen, in der Molkerei der Kätl schöne Augen machen für eine Kanne Magermilch… dann im Frühjahr 45 Fröschen mit dem Rechen aus dem Tümpel holen und aus dem Bach Forellen mit der Hand fangen. Das mit den Forellen war besonders notwendig, weil Omas todkranker, krebsverseuchterer Magen nichts anderes mehr als das zarte Fleisch des Fisches und das weiß Kastenbrot der Amerikaner vertrug. Und just beim Forellenfangen hatte mich dann en Sergeant von der amerikanischen Besatzungstruppe ertappt; aber, anstatt es mir zu verbieten, bekam ich den Auftrag, auch den Amis frisch Forellen zu liefern im Tausch mit Konservenbüchsen, Erdnussbutter, Bohnenkaffee, Schokolade und Chewing-Gum.
Und wenn ich nun wieder auf unser Baden im Offenhauser Bach zu sprechen kommen, dann wird am Ende dieser freundliche amerikanischer Sergeant auch eine wichtige Rolle dabei spielen.
Schon beim ersten Mal, als mich Konrad und die andern an diese besonders breite Badestelle mitnahmen, stand für mich fest, dass es mit dem Schwimmen der Jungen noch nicht weit her war. Da hatte sich für mich eine gute Gelegenheit geboten, durch bessere Schwimm- und Kopfsprungleistungen meine Position in der Gruppe zu festigen. An so einem warmen Julinachmittag hatten wir dort ausgiebig gebadet und waren gerade oben auf der hohen Uferkante angelangt, um den Nach-Hause-Weg anzutreten. Plötzlich drehte sich Konrad, der Vordere der Gruppe, um und gab Zeichen zurück, ganz still zu sein:
Unten am Bach, mitten auf einer kleinen begrasten Lichtung war ein Menschenpaar dabei, sich zu begatten. Auf Geheiß von Konrad legten wir uns an der Uferkante bäuchlings ins Gras; so konnten wir von oben herab den ganzen Vorgang gut beobachten, ohne selbst entdeckt zu werden.
Als wir dann wieder den Heimweg aufgenommen hatten, schienen die andern über die Sache recht erheitert, waren davon keineswegs erschüttert oder gar geschockt zu sein. Denn während des ganzen Weges hörten sie nicht auf, darüber zotige Witze zu machen und taten so abgebrüht, als wäre die Sache zwar belustigend, aber doch nichts Neues für sie.
Ich aber war bei der Beobachtung der beiden da unten zwar einerseits sexuell erregt; andererseits jedoch noch lange Zeit danach arg geschockt und auch zutiefst enttäuscht: Geschockt, allein schon dadurch, unfreiwillig Zeuge der höchsten Vereinigung des Menschen im Akt der Liebe geworden zu sein; geschockt zudem noch, weil sich der Akt bei den beiden in einer Art und Stellung vollzog, wie ich es bisher nur bei Tieren, bei den Kühen und Geißen, gesehen hatte, die zu Hause zum Abdecker geführt wurden.
Zudem war ich zutiefst enttäuscht, weil ich beide, Mann und Frau, erkannte:
In dem Mann erkannte ich den farbigen Sergeanten, mit dem ich vor Kurzem den Handel mit den Forellen ausgemacht und der mir noch am Vortag das richtige Pritschen bei dem für uns neuen Spiel beigebracht hatte, dass sie Volleyball genannt hatten. Und die Frau war eine von unseren saarländischen Flüchtlingen, war aus Merzig und hatte dort in einem der ersten Häuser auf dem „Schenner“ (Schindanger) gewohnt. Bei ihr war ich nicht allein deswegen so enttäuscht, daß diese Frau keinerlei Hemmungen zu haben schien, sich einem stockfremden Mann aus einem andern Kontinent und einer anderen Rasse so gänzlich hinzugeben; meine innere Entrüstung betraf vielmehr die Tatsache, daß ich dieselbe Dame noch wenige Wochen davor Arm in Arm mit einem Offizier der deutschen Wehrmacht scharwenzeln gesehen hatte.
In unserer zweiten Juli-Geschichte hatte man an ein paar Stellen auch lesen können, dass für uns Kinder früher das Badengehen nicht immer nur eine reine Freude war. In der nächsten Geschichte, die vom Juli als Erntezeit handelt, kann man darüber noch mehr erfahren.
Unsere Eltern innerhalb der Großfamilie von damals waren als Geißenbauern und Fabrikarbeiter so arm dran, dass es selbstverständlich war, wenn wir Kinder überall mitgeholfen hatten. Und so war es auch eine feste Regel, dass man, wenn man Spielen oder Baden gehen wollte, vorher noch etwas Nützliches hatte machen müssen.
© Rudolaf Engel 2014
De Juli hätt de gleichen Nummen wej de Julianische Kalenner, denn vum Julius Caesar äagelääd gäan äas. Juli, dat äas net nur dä Moand fier de Kermeesen un dej anner Dörref- un Stadtfeschder, dat äas net nur den Hunnischmoand fier de Hochzeiden; ed äas och dej Zeit vun der Sommerfrische und der Frääd um Bööden. Mein älschd Erennerong dörun äas jedoch off kään Oard un Weis fräädvoll zoùgang.
Mein ejschd Begejnong mäad em Elemend Waaser
Dej Hetz vun der Julisonn un ´nem wärdesfreien Sonndisch vum Joahr 1934 muß mei Papp wöll beweschd hun, mäat seim gröd drei Joahr alten Ejschgenuarenen ed Mierzer Schwimmbad offzesejschen. Dej Schwemmleidenschaft vun meim Papp woar fier en ääfache Mann aus em Dörref dömoals ebbes Ungewöhnliches. Äan ejschder Linie woar henn e leidenschaftlichen und ziemlich erfolreichen Turner; awer sein zwäät sportiv Begeischderong hot seim Schwemmen und em Turmsprengen gehiert.
Dej allerejschd Käandhäätserennerong,dej seich äan mei Gedächtnis äasgenischd hot, dej handelt ewen vun disser, seiner Leidenschaft, allerdengs fier meich off en sehr schmerzhaft Weis. Dej Erennerong konzentriert seich äan ´nem Bill, äan demm mei Papp off em ganz hejen Turm stääht, wej henn off äämoal de Ärmen ausbrääd, de Bään kromm mecht, oofsprengt, dörrich de Loft sejelt un äand´ Waaser äataucht.
De Rescht vun der Geschichd wääß eich nur noch vum Verzellen:
Juli 1934; eich woar alsoù grööd drei Joahr alt. Mei Papp hot nie mäat mir driwwer geschwatt, awer mei Mamm hot mir dixer verzellt, dat de Papp äam Schwimmbad zoù mir gesoat heet, eich sollt ganz brav um Beckerand setze bleiwen, bes henn gleich nommoal zereck wär. Un wej eich henn awer vum Turm heed sprenge sejhn, dö sei eich ääfach offgestan und och äand Waaser gesprong. Eich moß bewusstlos gewiarschd säan, wej sei meich vum Böddem vum Schwemmbecken eroffgehöll hotten.
Bööde gejn un schwenmme lieren um Baachemer Schetzel
Diss bleiwend Gronderlebnis scheint mir weder un der Sejl noch um Leiw geschööd ze hun. Eich säan döroffhinn off kääne Fall waaserscheu gäan, ejher en Waaserratt.
Schwemme geliert hun eich äandemm net äam Mierzer Schwimmbad, och net vu meim Papp, denn joo gleich äan de Krejsch gemuschd hot; dat Schwemmen, dat hun mir oas selwer beibrööht, dej Jongen aus meiner Grondschoùlklass un zwoar un zwoù entleejenen Stellen vum Seffersbaach weit außerhalf vum Dörref. Dej ejschd Stell, dat woar dat vun schun zimlich verfall Baachemer Schetzel, vun oas selwer nommoal nau offgestaut, äan der Grenz zoùm nördlchen Nööberort Baachem. Un dej zwäät Übungsstätt, dat woar dat noch intakte Stauwehr un der Schoofbreck äam Süden vum Ort, fascht schun off Mierzer Gewann geleeh.
Ed woar jeed Moal e lange Weeh, alles ze Foaß, erschweert äan der Summerhetz. Käänen vun oas hot dömoals e Fahrrad gehott, ed hot och kään Auto gäan, dat oas döhin brööht heed. Awer, fier äand kejhl Naaß zu kommen, dö woar oas kää Weeh ze weid.
De Grondmauern vum Baachemer Schetzel woaren dömoals noch auf boùde Seiten noch döö. Aus dem negschde Wald off Hoarschd hummir Äächestangen geschlööh, hun sei äan dej Fugen vum Schetzel äageführt un hun mäat Lehm un Wöösem oofgedichd. Dödörrich konnten mir de Strom vum Baach e bessin bremsen un äam gestauten Tempel mejh Oberfläch erzielen; gruuß gnooch für e poar Schwemmzisch, dejf gnooch fier oas Koppspreng, fier oas oofzekejhlen un ed Gemejt ze vergnüjen. Dat Enn vun soù ´nem vergnüchsamen Julinöömeddisch sollt fier meich awer nommoal schmerzhaft gäan.
Mei Papp woar ääjentlich emmer ziemlich goat zoù mir; awer, wenn eich ebbes Bieses gemaach hun oder ebbes, vun demm henn bluuß gemäänt hot, dat ed en Onrecht gewierschd wär, dann hot henn de Ledergüardel loassgemaach vu seiner blöö Schaffbox un hot mir kräfdisch den Henneren versellt. Miaschdens hun eich bei meim Papp seiner Schleeh gekrejsch, jo ejer laud geschrieh; nur dissmoal hot eich kää Mucks vun mir gäan, weil eich him dömäat beweise wollt, dass eich unschuldisch woar.
Eich säan gröd vum Bööden um Baachemer Schetzel haam komm. Eich gäan zoù, un demm Nömeddisch woar ed schun e bessin spääd. De Papp woar schun vun der Schicht dahaam un hot meich mäat drohender Stäamm gefrööt:
„Woù kemmschd dau dann wei her?“
„Ma, vum Bööden um Bachemer Schetzel!“, hun eich brav ze Antwuart gäan; awer eich hu gemerkt, dat ebbes net recht woar.
„Un wou häscht dau dann dein Böödbocks geloss?“
De Papp hot gemerkt, dat eich mein Böödbox net mej debei hot. Oase Papp, de frimmschde Mann vum Dörref hott mäat bieser Mien gemäänt, mir heeden oas all puddelnackisch ausgezuuh un „ebbes Schweinzijes“ zesummen getriff. Döbei hot eich nur de Box nöm Bööden zum Drecknen off de Betonmauer vum Schetzel gelööht un se ääfach beim Haamgejhn vergäaß.
Bööde gejn un Forelle fänken off der Schoofbreck
Wej dann de Krijsch komm äas, de Papp bei de Soldaten un de Mamm als Krankeschweschder äam Milidärlazarett vu Mierzisch, dö säan eich de Woch iwer vum einsamen Zollhaus äam Waldrand nommoa bei de Oma äan de Hoofstroaß gezuuh, alsoù mäatten äan ´d Dörref. Dödörrisch hot seich mej Gelejenhäät gebuad, fier Kontakte un fier ze spillen mäat de Gleichaltrijen. Un dömäat säan eich äan zwejn verschiedene Krääse geroat. Wemma dej Onnerschiedlichkäät vun denne hieren Spillgewohnheiten betracht, dann kennt ma dej ääanen dej „Klerikalen“ un dej anneren dej „Säkularen“ nennen. Dej äänen hun „Mäaßdejnersches“ gespillt mäat ausgedejnden Mäaßbejschern, Kiarzestännern un selwer gebastelden Weihraachfässern. Sei hun soù de Gottesdejnschd vum Hanni imitiert, besonnerschd dej Feschdmäassen vun hejen Kärrischfeschden. Dej anneren hun seich mäat Holzsebeln, Schleudern un dörrich „Stoppeschießen“ mäat hierer Emweld ausenanner gesatt.
Äan der Grupp vun de Säkularen, mäat Leschie, Knubel, Abel Willi, em Braunchin un de Britzbrejdern hot den Elf- Zwöllefjährjen gelierd, net nur off ´m Schuttplatz mäad der Schleuder off leer Flaschen ze schießen; henn äas och äam Schleuderschießen off Spatzen ziemlich geübt gäan; henn hot sugoar dej flatternde Viel äam Flejhen getroaf.
Vun grießerem Notzen sollt seich speeder erausstellen, dat eich vun de Säkularen beim Bööden off der Schoofbreck och ed Forellefänken mäat der Hand geliert hun. Mein Liehrmääschdern, dat woaren dej Britzbrejder aus der Grejnstatt, mäat dennen mir och schwemme gang säan. Dej woaren äan der Konschd sehr geübt; se woaren – denn äänen ään, denn annern zwää Joahr äller wej mir – och de Chefs vun der Grupp.
Ewei, woù mir grießer gäan woaren, hot fier ze schwimmen dä kläänen Tempel um Baachemer Schetzel nemmej gelangt; de Schoofbreck, dat alt, awer vill grießer Wehr off halwer Streck nöö Mierzisch, dat woar döfier beschdens geeichned. Dä lang gestauten Sefferbaach hot hei en Brääd vun etwa sechs, siewen Metern un och en beachtlich Dejf. Soù konnten mir vun der Mauer vum Wehr eronner ohne Gefoahr Käpperden üben. Dix woaren mir äan oase Schwemm- und Sprengaktionen soù vertieft, dat ma ausgekejhlt säan un ugefang hun ze schnaddern. Dann säan mir ääfach off dej newen em Baach herlaafend Provinzialstroaß gelaaf, hun oas mäat ´m Bauch ausgebrääd un vun der sonngemwärmden Teerdeck nommoal offheize geloss.
Dömoals woar de Provinzialstroaß vu Mierzisch iwer Brottroff un Baachem eroff äan ´d Waldland dej äänzischd Stroaß bei oaß, dej geteert woar. Haut herrscht off der Stroaß un der selwischd Stell en deroartjen Verkehr, dat ma schun ze Foaß Gefahr lääft, wemma se nur iwerquere well.
Dat Forellefänken, demm mir oas dömoals – wej schu gesoat – off der Schoofbreck ewefalls hingäan hun, woar un kääner Stell vum Seffersbaach soù leicht wej hei. Denn Druck vum offgestaute Waasser hot un mehrere Stellen ed Fundament vum alte Wehr soù ennerhöhlt, dat um Böddem en Oart Waasserwalz enstann woar. Un hei hun och de Forellen mäat Vorlieb gestann un hun seich voller Loschd de perlende Strudel vum Waasser em de Bauch un de Schwanz spejlen geloss. Dödebei woaren sei määschdens so verzückt, – soùzesoan äan ´ner Oart Trance -, dat ma seich hinnen, vorsischdisch gebeckt, onbemerkt nehern konnt, de Hänn nöö uawen gedreht langsam soù enner hieren Bauch brööht un dann bletzoardisch zoùpacke konnt.
De letschde Summer vum Krejsch woar och e rischdije Summer zum Bööden; awert ed woar schun lewensgefährlich gäan, seich äan offenen Gewässern blecken ze lossen.
Nöödemm de Alliierten äan der Normandie gelannd säan un off ´m Viermarsch dörrich Nordfrankreich äan Richtung Westwall woaren, vun döö un äas oas Grenzgebiet mej un mej vun den dejfflejenden Jagdbombern haamgesejschd. Sei säan ganz plötzlich offgetauchd und hun off alles Menschliche geschoss dat seich bewechd hot. Woarschd dau alsooù debaußem äam Waasser, dann un hottschd kään Deckung gehot un hoschd ich net sier genooch flüchden kennen.
Un soù ´nem sonnijen Summerdaach, ed woar den 13. Juli 1944, dö hotten mir off ´m Realgymnasium äa Mierzisch schun nöö der zwäät Stonn frei, net etwa wejen der offkommend Hetz, sondern weil ed „Voralarm“ gäan hot. Wat maachen mäat dem ugegoochene Viermeddich? Äan ´d Schwimmbad gejhn, woar zoù gefählrich; alsoù säan mir vun der Obertertia äam Schoùlkellersetze bliff, fier Koarten ze spillen, soù lang iwwer de Zeit, dat eich och den Zuch vun der Kleinbahn verpasst hot. Und at Tragische, dat dann zweschen meim Schoúl- un meim Heimatort passiert äas, iwer dar Ereichnis, dat eich off ´m Weeh ze foaß vu Mierzisch nöö Brottroff aus der Fern mäatgrejt hot, döriwer hot Maria Johannes, dej mäatgerääst woar, äan der „Brotdorfer Dorfchronik“ (S. 144f) mäat ergreifender Realität bericht:
Es war ein warmer Sommertag, als ich am 13. Juli 1944 mit dem Zug von Dillingen nach Merzig und von dort weiter nach Brotdorf fuhr… Links sahen wir schon die Häuser der Klinkerstraße und rechts die ersten Häuser der Provinzialstraße. Als plötzlich Motorengeheul und Explosionen zu hören waren. Irgendjemand schrie, daß wir von Jabos angegriffen werden. Was dann folgte, kann man nur als Chaos bezeichnen. Der Zug bremste und kam mit schrillem Pfeifen zum Stehen. Die Menschen im Zug fielen übereinander, alle schrien, einige bluteten aus Schußwunden, andere lagen blutüberströmt auf dem Waggonboden…“
Dä Jaboangriff hot 20 Menschen ed Leewen gekoschd. Weil eich länger wej üblich äan der Schoúl bliff beim Koartespillen bliff säan und den Zuch verpasst hun, dat hot mir mejlicherweis ed Lewen gerett.
En voyeuristisches Erlevnis beim Bööden
Dä ledschde Summer äam Krejsch äas alsoù ohne oas gewinnt Frääd um Bööden, dödefier awer emsoù tragischer ze Enn gang. Äam Speedherbschd äas dann dej zwäät Evakuierung komm, dissmoal net nö Thüringen, sonern nö Offenhausen äan Meddelfranken. Fier oas en schwer Zeit, dej ejschd hier Enn gefonn hot, wej de Krejsch vorbei woar, wej Ufang Mai 45 den Amerikaner äagereckt woar un gleich dönöh e Summer gefollischd äas, äan demm ma nomoal ongestiert bööde gejhn konnt.
Dej Möchlichkäät ze Schwemmen äan Offenhausen woar ziemlich bescheiden. Ed hot döö och en Baach gäan, denn normalerweis net vill grießer woar wej oase Seffersbaach; dat hääschd, ma konnt ´n mäat e besselche Mejh iwersprengen. Dej Dörrefjongen hotten awer iawerhalf vum Ort en Stell kannt, woù seich ed Baachbett äan Form vun ´nem Kolk dejf äan de Kalkböddem äageschnitt hot. Soù woar döö äan ääner, mäat dichten Bäämen besetzden Emlaafschleif en nadierlichen Tömpel entstann, denn äan der Metten bes zoù zwää Meter dejf woar, äan demm ma emmerhin sechs bes aacht Zisch schwemme konnt.
Doch eh ma nö ´m Waffestillstand nomoal zoù ´ner ongestiert Frääd um Bööde komme konnt, woar fier oas Flüchtlinge hei äam soùgenanten Bergungsgebiet en ärrisch Noùt un en schwierisch Iwerleewenszeit dörrichzestejhn.
Awer döbei äas meiner Famillisch zegoat komm, dat eich joo Forelle mäat der Hand fänke konnt. Weil nämlich den Offenhauserner Dörrefbaach net nur en goat Stell fier ze Bööden hot, un manch quirlije Stellen konnt ma etliche vun denne Feschen mäat denne ruude Ponkten stejhn sejn.
Obwöll seich oase nauen Zoùfluchtsort Offenhausen nennt, hot denn oas de allerschläamschd Noùtzeit bescheerd. Net nur, dat dej määschden vun oas –etwa 70 un der Zahl – wochelang äam Danzsaal vun der Dörrefwirtschaft hun („Offen“) hausen missen, weil dej reichen un sugoar noch äam Krejsch goat situierte Bauern oas „Saarfranzosen“ net bei seich offhöllen, oas net vun hierer Selbstversorgung hun offgäan wollten un dej ganz saarlännisch Flüchtlingskolonie als en Frimmkörper behandelt hun. Dat äas soù bliff bes zoú ääm bestemmden Daach äam Juli 1945; awer dödezoù mej äam dräatten Dääl vun de Juligeschichden.
Äan der Zweschenzeit hun mir gelierd, außer demm Besselchin, wat ed noch off Lebensmittelkoarten ze kääfe gäan hot, off de Steckern un off de Fluren alles,wat irjendwej ze äaßen woar, fier Oas ze organisiern: noch äam Speedherbschd Buchecker sammeln un wej ed Aschenputtel dej goaden vun den daawen eraustrennen; off de Steckern noch leihen, gelossenen Krombern un dej verduarten Schoten vun der Stangeboùnen sejchen, äan der Molkerei em Kätl schejn Aa maachen fier en Kann Magermellich…dann äam Frejjoahr 45 Freeschen mäat em Reechen aus em Tömpel höllen un aus em Baach Forelle mäat der Hand fänken.
Dat mäat de Forellen, dat woar besonnerschd nejdisch, weil den duudkranke, krebsverseuchde Mööen vun der Oma neischd anneres mejh vedröh hot wej ed Flääsch vum Fesch un dat schnejweiß Kaschdebroút vun den Amerikanern. Un grööd beim Forellefänken, döö hot meich en Sergeant vun der amerikanisch Besatzongsdrupp erweschd; awer, anstatt dat henn ed mir deed verbejden, hun eich den och Offtraach grejt, den Amis fresch Forellen ze liwwern äam Tausch mäat Konservebecksen, Erdnoßbotter, Boùhnekaffe, Schoklad un Chewing-Gum.
Un wenn eich ewei nommoa off oas Bööden äam Offenhausener Baach ze schwätze kommen, dann däät ewen dissen amerikanischen Sergeant och en wischdisch Roll döbei spillen.
Schun beim ejschde Moal, wej Konrad un dej anneren meich und iss besonnerschd Böödstell mäatgehöll hun, hot fier meich feschdgestann, date d mäat em Schwemmen bei de Jongen net vu weit her woar. Dö hot seich fier meich en goad Gelejenhääd gebuart, mäat meine besseren Leischdongen äam Schwemmen un äam Koppsprengen mein Position äan der Grupp ze feschdejen. Un soù ´nem wärmen Julinöömeddisch hottem mir döö ausgiebisch gebööd un woaren gröd uawen off der hejsch Uferkant debei, fier haam ze gejhn. Plötzlich dreht seich de Konrad, de Vierschden vun der Grupp, remm un gefft oas Zäächen zereck, ganz stell ze saän:
Ennen um Baach, mäadden off ´ner klään Lichtung woar e Menschepoar gröd debei, seich ze begatten.
Off Gehääß vum Konrad hun mir oas off dej Uferkant gelööht, mäam Bauch äand Gras; so konnten mir vun uawen eronnen de ganze Viergang goad beobachden, ohne dat mir endeckt gäan säan. Wej mir nommoa den Haamweeh offgehöll hun, woaren dej annern iwer dej Saach ziemlich erheiterd, sei woaren dödevun iwerhaapt net erschütterd oder goar geschockt. Denn, ennerweehs hun sei net offgehiert, döriwwer Witze ze maachen un hun soù oowgebrejht gedoan, als wär dej Saach schu beluschdijend, awer doch neischd Naues fier sei.
Eich awer woar bei der Beobachdung vun denne zwääj Menschen zwoar äänerseids sexuall ereeschd, annererseits jedoch noch lang Zeit denöö ärrisch geschockt un och dejf enttäuschd: Geschockt allään schun döödörrich, dat eich onfreiwellisch Zeuge vun der heegschd Vereinigung vun de Menschen äam Akt der Liebe gäan säan; geschockt zoùdem noch, weil seich ewen den Akt bei denne bääden äan ´ner Oart und Stellung vollzuuh hot, wej eich ed besher nur bei den Dejeren, bei de Kejhen un de Gääßen gesejhn hot, dej dahaam zum Oofdecker gefoahr gäan säan.
Zoù dem woar eich bes off de Böddem enttäuschd, weil eich alle bääd, de Mann und dej Fraa, erkannt hun: Äan dem Mann hun eich de färwijen Sergeanten erkannt, mäat dem eich vier Körzem den Handel mäat de Forellen ausgemaach, un denn mir noch um Daach devier ed rischdisch Pretschen bei dem fier oas naue Spill beibrööht hott, dat sei Volleyball genannt hun.
Un dej Fraa woar ään vun oasen saarlännischen Flüchtlingen, sei woar aus Mierzisch un hott döö äan ääm vun dennen ejschden Heisern off ´m Schenner gewunnt. Bei hier woar eich net allään deswejen soù enttäuschd, dat diss Fraa goar kään Hemmungen hot, seich ´nem stockfrimme Mann aus ´nem anneren Kontinent un vun ´ner anneren Rass soù gänzlich hinzegäan; mein Enttäuschung, loo äänewenzisch, hot vill mejh dej Tatsaach betroaf, dat eich dejselwischd Dame noch e poar Wochen devier Ärm äan Ärm mäat ´nem Offizier vun der deitschen Wehrmacht scharwenzeln gesejhn hott.
Äan oaser zwäät Juli-Geschicht´ hätt ma un e poar Stellen och lese kennen, dat fier oas Käanner frejher ed Böödegejhn net emmer nur en pur Frääd woar. Äan der neegschd Geschicht, dej vum Juli als Erntezeit handelt, kamma döriwer noch mej erfoahren.
Oas Eltern äan der Gruußfamillisch von dömoals woaren als Gääßebauern un Fabrekarbeiter soù ärm drun, dat ed verständlich woar, wenn mir Käanner iwwerall mäatgeholf hun. Un soù woar ed och en feschd Rejel, dat ma, wemma Spillen oder Bööden gejhn wollt, vierher noch ebbes Nötzliches hotte maache missen.
© Rudolf Engel 2014