
Richtig mit der Sense umgehn
Rischdisch mäad der Senzel emgejhn
Früher, als wir noch Jungen waren und mit dem Juni der Sommer kam, da hatten wir nicht zuerst ans Futtermachen gedacht; dafür um so mehr ans Baden gehen. „Wenn wir am Nachmittag auf dem Reisberg das Futter gewendet haben, bleibt noch genug Zeit für deine Badehose!“ Und als dann der Krieg kam, viele Männer eingezogen waren, da sind wir noch mehr bei Schaffen auf dem Hof und auf den Feldern eingespannt worden. Im Juni 43, Vater war das zweite Jahr in Russland und ich ganz stolz, als Onkel Heinrich, der als Lokführer bei der Kleinbahn nicht zu den Soldaten mußte, der war es, der mich auch anhielt, mit der Sense umzugehen.
Wie gesagt, in denen sechs Jahren, in denen Vater eingezogen war, zuerst in Russland, dann in Italien und schließlich in amerikanischer Gefangenschaft, da hatte ich in Onkel Heinrich und in Onkel Johann, meine Lehrmeister in all den Sachen, die in unserer kleinen Landwirtschaft anstanden. Bei Onkel Johann, der in Dillingen auf der Hütte, also auch in einem „kriegswichtigen Betrieb“ arbeitete und dafür auch nicht eingezogen wurde, bei dem habe ich Vieh schlachten gelernt, Kaninchen, Zickel Geißen und sogar Schweine. Der hatte mir auch nach seiner Schicht beigebracht, wie man wildgewachsene junge Obstbäumchen veredeln und Rosen okuliernen kann.
Von Onkel Heinrich schließlich habe ich das Dengeln der Sense, das Grasmähen und Flausen (Getreide mähen) gelernt, natürlich mit allem, was dazu gehört: Wie man das Dengeleisen auf dem Holzklotz montiert, wie man die Sense exakt mit Gefühl darüber halten muß, wenn die Schneide beim Dengeln scharf werden soll. Heinrich stand auch hinter und hat mir die Hand geführt, als ich meinen ersten Schlag beim Grasmähen hinter mich brachte…
Und fünf Wochen später bei der Kornernte war ich besonders stolz, als ich mit den andern Männern beim Flausen in ihrer Reihe stand. Wenn ich mir heute immer noch die große Narbe auf meinem linken Handrücken anschaue, dann weiß ich, dass beim Mähen auf dem Reisberg nicht nur Onkel Heinrich mein Lehrmeister war, dass vielmehr das Schicksal mich gepackt hatte, wie ich nur knapp einer schweren Verletzung oder gar dem Tod entgangen war.
Wir beide waren schon früh im Morgengrauen losgegangen, hatten gut „draufgehalten“ und waren mit der Obstwiese meiner Eltern ganz oben auf der Steilkante längst fertig, bevor die Mittagssonne das Gras derart ausgetrocknet, daß es sich nicht mehr so gut schneiden läßt… Naß geschwitzt und schon etwas müde; aber jetzt soll also auch noch der Luzerne Klee im Obstfeld von Onkel Heinrich dran, weiter unterhalb, ziemlich am Fuße der Steilstufe, das Feldstück mit den schönen Bäumen, im Herbst voller Winterrambur.
Onkel Heinrich meint: „Hoffentlich hast du denn noch Kraft genug für das Futter auf meinem Obststück die Luzerne unten auf meinem Obststück; die Luzerne, die kann man jetzt bei der Hitze besser schneiden als das trockene Gras?“ Und dann sagt er noch dazu:
„Für diese kurze Strecke da hinunter brauchen wir die Sensen nicht extra abzuschrauben“.
Also trägt jeder seine Sense beim Hinabsteigen mit offener Schneide nach oben auf der Schulter. Plötzlich komme ich an dem glitschigen Terrassenrand derart ins Rutschen, daß ich den Halt unter den Füßen verliere und dabei spüre, wie die Sense aus meiner Hand gleitet und dicht an meinem Körper vorbei nach unten saust. Automatisch mache ich mit der linken Hand eine Art Abwehrbewegung. Dabei gräbt sich die Spitze der Sense derart in den Handrücken ein, sodaß eine tiefe und stark blutende Schnittwunde entsteht. Trotzdem hatte damals ich bei diesem Sturz mit der Sense doppeltes Glück: Beim Doktor stellte sich heraus, dass die Wunde zwar tief war, aber keine einzige der Fingersehnen verletzt hatte. Und schließlich hatte meine geistesgegenwärtige Reaktion verhindert, daß die Schneide der Sense mich am Hals getroffen und womöglich guillotiniert hätte.
Wie gesagt, in denen sechs Jahren, in denen Vater eingezogen war, zuerst in Russland, dann in Italien und schließlich in amerikanischer Gefangenschaft, da hatte ich in Onkel Heinrich und in Onkel Johann, meine Lehrmeister in all den Sachen, die in unserer kleinen Landwirtschaft anstanden. Bei Onkel Johann, der in Dillingen auf der Hütte, also auch in einem „kriegswichtigen Betrieb“ arbeitete und dafür auch nicht eingezogen wurde, bei dem habe ich Vieh schlachten gelernt, Kaninchen, Zickel Geißen und sogar Schweine. Der hatte mir auch nach seiner Schicht beigebracht, wie man wildgewachsene junge Obstbäumchen veredeln und Rosen okuliernen kann.
Von Onkel Heinrich schließlich habe ich das Dengeln der Sense, das Grasmähen und Flausen (Getreide mähen) gelernt, natürlich mit allem, was dazu gehört: Wie man das Dengeleisen auf dem Holzklotz montiert, wie man die Sense exakt mit Gefühl darüber halten muß, wenn die Schneide beim Dengeln scharf werden soll. Heinrich stand auch hinter und hat mir die Hand geführt, als ich meinen ersten Schlag beim Grasmähen hinter mich brachte…
Und fünf Wochen später bei der Kornernte war ich besonders stolz, als ich mit den andern Männern beim Flausen in ihrer Reihe stand. Wenn ich mir heute immer noch die große Narbe auf meinem linken Handrücken anschaue, dann weiß ich, dass beim Mähen auf dem Reisberg nicht nur Onkel Heinrich mein Lehrmeister war, dass vielmehr das Schicksal mich gepackt hatte, wie ich nur knapp einer schweren Verletzung oder gar dem Tod entgangen war.
Wir beide waren schon früh im Morgengrauen losgegangen, hatten gut „draufgehalten“ und waren mit der Obstwiese meiner Eltern ganz oben auf der Steilkante längst fertig, bevor die Mittagssonne das Gras derart ausgetrocknet, daß es sich nicht mehr so gut schneiden läßt… Naß geschwitzt und schon etwas müde; aber jetzt soll also auch noch der Luzerne Klee im Obstfeld von Onkel Heinrich dran, weiter unterhalb, ziemlich am Fuße der Steilstufe, das Feldstück mit den schönen Bäumen, im Herbst voller Winterrambur.
Onkel Heinrich meint: „Hoffentlich hast du denn noch Kraft genug für das Futter auf meinem Obststück die Luzerne unten auf meinem Obststück; die Luzerne, die kann man jetzt bei der Hitze besser schneiden als das trockene Gras?“ Und dann sagt er noch dazu:
„Für diese kurze Strecke da hinunter brauchen wir die Sensen nicht extra abzuschrauben“.
Also trägt jeder seine Sense beim Hinabsteigen mit offener Schneide nach oben auf der Schulter. Plötzlich komme ich an dem glitschigen Terrassenrand derart ins Rutschen, daß ich den Halt unter den Füßen verliere und dabei spüre, wie die Sense aus meiner Hand gleitet und dicht an meinem Körper vorbei nach unten saust. Automatisch mache ich mit der linken Hand eine Art Abwehrbewegung. Dabei gräbt sich die Spitze der Sense derart in den Handrücken ein, sodaß eine tiefe und stark blutende Schnittwunde entsteht. Trotzdem hatte damals ich bei diesem Sturz mit der Sense doppeltes Glück: Beim Doktor stellte sich heraus, dass die Wunde zwar tief war, aber keine einzige der Fingersehnen verletzt hatte. Und schließlich hatte meine geistesgegenwärtige Reaktion verhindert, daß die Schneide der Sense mich am Hals getroffen und womöglich guillotiniert hätte.
Onkel Heinrich moß dömoals mej gelitt hun wej eich. Henn hot net offgehierd, seich vierzewerfen, fier wat henn net droff geachd heed, dat mir de Senzeln fier den Hang ronner ze gejhn net vierher zur Secherhääd oofmondiert hotten. Un ennerwees dääd henn seich dauernd frööen, wej henn dej Saach loo nommoa goad maache kennd.
Eich wolld e gruuße Jong säan un vielleicht och schun e rischdije Mann, un dödefier hun eich zoù him gesoad, wej ma äan der Hetz vun dem frejhen Nöömeddisch vum Dokder komm säan, denn de Wonn zoùgeklammerd hot:
„Wei gejh ma bei Stäämetz vorbei un dann spendierschd dau mir ään oder zwää Bejer, un dann äas dej Saach vergäaß!“
Awer vergäaß woar dej Geschichd dömaäd noch lang net. Noch Joahren dönööh, wenn eich vun irjendwoù äan der Welt nommoa haam komm säan und den Heinrich äam Dörref getroaf hun, dann hot henn gesoad:
„Loß oas bei Stäämetz vorbei gejhn, dau häschd bei mir noch e Bejer ze goad!“
© Rudolf Engel 2015
Eich wolld e gruuße Jong säan un vielleicht och schun e rischdije Mann, un dödefier hun eich zoù him gesoad, wej ma äan der Hetz vun dem frejhen Nöömeddisch vum Dokder komm säan, denn de Wonn zoùgeklammerd hot:
„Wei gejh ma bei Stäämetz vorbei un dann spendierschd dau mir ään oder zwää Bejer, un dann äas dej Saach vergäaß!“
Awer vergäaß woar dej Geschichd dömaäd noch lang net. Noch Joahren dönööh, wenn eich vun irjendwoù äan der Welt nommoa haam komm säan und den Heinrich äam Dörref getroaf hun, dann hot henn gesoad:
„Loß oas bei Stäämetz vorbei gejhn, dau häschd bei mir noch e Bejer ze goad!“
© Rudolf Engel 2015
